Überschaubare Nachfrage nach der "Blauen Karte"

Die vor einem knappen Jahr eingeführte "Blue Card" für hochqualifizierte Fachkräfte aus dem Ausland stößt einem Bericht nach auf wenig Resonanz. 2536 Personen sollen damit nach Deutschland gelockt worden sein.

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Von
  • Stefan Krempl

Nicht einmal dreitausend Menschen lockte seit Anfang August 2012 die damals eingeführte "Blue Card" der EU für hochqualifizierte Fachkräfte aus dem Ausland. Die Welt meldet unter Berufung auf die jüngsten Zahlen des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) von Ende Juni, das Programm habe 2536 Personen nach Deutschland gebracht. Insgesamt habe die Behörde rund 9000 blaue Karten ausgegeben. Mehr als 70 Prozent davon seien aber an ausländische Akademiker gegangen, die sich bereits hierzulande etwa für Studienzwecke aufgehalten hätten.

Bei diesem Löwenanteil der Inhaber der Blue Card läge ein Wechsel "aus einem anderen Aufenthaltsstatus heraus vor", zitiert die Zeitung das BAMF. Die meisten der tatsächlich wegen der Arbeitserlaubnis neu zugereisten Karteninhaber kämen mit 1971 aus Indien, gefolgt von China (775) und Russland (597). Syrien sei mit 389 Fachkräften ebenfalls stark vertreten.

Um die mäßig begehrte Karte zu erhalten, müssen ausländische Hochschulabsolventen hierzulande die Zusage für einen Arbeitsplatz mit einem Jahresgehalt von mehr als 46.400 Euro nachweisen. In Mangelberufen wie solchen in der IT-Branche oder bei Ingenieurstätigkeiten sinkt der Betrag auf 36.200 Euro. Der Arbeitgeber muss zusätzlich nachweisen, dass dieses Gehalt dem eines Deutschen in gleicher Position entspricht. Viele Unternehmen schreckt derlei bürokratischer Aufwand ab. Wer trotzdem eine Blaue Karte ergattert und damit drei Jahre in Deutschland arbeitet, hat Anspruch auf eine Daueraufenthaltsgenehmigung in der EU.

Das Bundesinnenministerium hatte den Auftakt für die Blue Card im Februar als Erfolg ausgegeben. Laut der ersten Halbjahresbilanz waren damals 1295 Karten an neue Einreisende und insgesamt 4126 Arbeitslizenzen vergeben worden. Das Ressort freute sich besonders darüber, dass viele Ausländer mit deutschem Hochschulabschluss die Karte nutzten, um auch nach ihrer Ausbildung hier zu bleiben. Vergleichsswerte aus anderen EU-Ländern sind bislang nicht bekannt. (ck)