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Überwachung: Blackberry will Pakistan verlassen

Weil Pakistans Regierung zu viel Zugriff auf die eigenen Netze verlange, wollte sich Blackberry eigentlich zum Dezember aus dem Land zurückziehen. Nun gab es aber eine Fristverlängerung und die Gespräche sollen weitergehen.

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Das Blackberry Classic

(Bild: dpa, Andrew Gombert)

Der kanadische Smartphone-Hersteller Blackberry will wegen staatlicher Überwachungsbemühungen jegliche Aktivitäten in Pakistan einstellen. In einem Blogeintrag begründet das Unternehmen den Schritt, der sich bereits im Sommer angekündigt hatte.

Pakistans Regierung verlangt demnach Zugriff auf jeglichen Datenverkehr, der über den sogenannten BlackBerry Enterprise Server (BES) läuft, insbesondere auch auf E-Mails und Kurznachrichten. Darauf hat aber auch Blackberry keinen Zugriff und die Einrichtung einer Hintertür lehnt das Unternehmen nach eigener Aussage ab. Von dem Rückzug wären in Pakistan aber wohl weniger als 5000 Kunden betroffen.

Eigentlich sollte diese Anforderung zum 1. Dezember in Kraft treten, wovon Blackberry in dem Blogeintrag auch ausgeht. Aber nun gebe es eine Fristverlängerung bis Jahresende, hat der Konzern nachgetragen. Die würde nun für weitere Verhandlungen genutzt, schreibt die pakistanische Zeitung Dawn. Die erklärt auch, dass die pakistanische Telekommunikationsbehörde ihr Anliegen damit begründet, dass immer mehr Kriminelle auf sichere Kommunikation ausweichen würden. Analysten entgegneten dem aber, dass die Regierung ihre Online-Überwachung in Wahrheit ausweite, um Aktivisten, Politiker und Journalisten ins Visier zu nehmen.

Auch Blackberry meint, dass es Pakistans Regierung nicht um die öffentliche Sicherheit geht. Man sei mehr als gerne bereit, Sicherheitsbehörden bei Ermittlungen zu helfen. Pakistan verlange jedoch uneingeschränkten Zugang zu den Daten von BES-Kunden. Der Datenschutz habe jedoch Vorrang und dieses Prinzip werde man nicht aufgeben, so Blackberry. Verantwortliche der Telekommunikationsbehörde PTA wiederum beharrten darauf, dass sie nichts anderes verlangten als in anderen Ländern, schreibt Dawn weiter. So habe sich Blackberry etwa in Saudi-Arabien dem Ansinnen der Geheimdienste gebeugt. (mho)