UltraSPARC T1 wird Open-Source-Prozessor

Unter der Lizenz der Open Source Initiative lassen sich ab dem ersten Quartal 2006 unter anderem die komplette Prozessorbeschreibung in Verilog und eine Verification Suite sowie Simulationsmodelle herunterladen.

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Von
  • Andreas Stiller

In einem für ein größeres Prozessorhaus ziemlich einmaligen Schritt öffnet Sun jetzt nach Vorstellung der ersten T1-Systeme auch die UltraSPARC-T1-Prozessorhardware der Open Source Community. So folgt auf OpenSolaris (neben Solaris auch der Sun Java Application Server und die NetBeans Software Tools) nun das OpenSPARC-Programm. Unter der Lizenz der Open Source Initiative (OSI) lassen sich ab dem ersten Quartal 2006 die komplette Prozessorbeschreibung in Verilog, eine Verification Suite sowie Simulationsmodelle, eine der Architektur entsprechende Befehlssatz-Spezifikation (UltraSPARC Architecture 2005) und eine Solaris Schnittstelle von der frisch freigeschalteten OpenSPARC herunterladen.

Von der Offenlegung des Mikroprozessor-Designs erhofft sich Sun mehr Raum für Innovation und Anwendungsentwicklung. Die von Sun ins Leben gerufene SPARC/Solaris-Community soll solche Innovationen im Bereich massiv skalierender und hoch paralleler 64-bit Systeme entscheidend vorantreiben. Mit 3,4 Millionen registrierten Solaris-Benutzern und 10.000 registrierten openSolaris Community-Mitgliedern gibt es dafür reichlich Potenzial -- wenn auch nur die wenigsten die Verilog-Dateien des T1 werden direkt nutzen können. Für FPGAs könnte ein einzelner T1-Kern in Frage kommen -- der ganze Chip mit seinen acht Kernen ist dafür bei weitem zu riesig. Aber allein für Ausbildungszwecke dürfte ein realer Prozessor in Verilog höchst interessant sein. Auch für die Softwareoptimierung können tiefere Einblicke in die Prozessorstruktur mit ihrem vierfach Multithreading recht hilfreich sein. Und schließlich wird auch der ein- oder andere Mitbewerber da wohl gern einen Blick hineinwerfen wollen.

Es gibt allerdings bereits kleinere offene SPARC-V8-Designs unter der GNU-GPL, wie der von der ESA mitentwickelte LEON2 mit bereits vorbereiteten Skripten für Synopsys FPGA-Compiler.

"Sun basiert seit seiner Gründung auf den Prinzipien der Offenheit, Gemeinschaft und des Wettbewerbs" so Sun-Chef Scott McNealy. Das haben früher viele Beobachter zwar anders gesehen, die Sun eher unter abgeschlossen und proprietär einstuften -- inzwischen sieht das Bild aber deutlich anders aus. Sun kann sich nun wohl zu recht brüsten: "In unserer 23-jährigen Unternehmensgeschichte haben wir der Open Source Community mehr Code zur Verfügung gestellt als jede andere Organisation auf diesem Globus." Und dass jetzt noch moderne Hardware hinzu kommt, ist ein begrüßenswerter Schritt nach vorne. Es steht aber kaum zu erwarten, dass sich IBM, Intel und Co da anschließen werden. (as)