Umfrage: US-Bürger sehen NSA-Überwachung kritischer

Eine Mehrheit der US-Bürger ist inzwischen nicht mehr sicher, dass die Überwachung durch NSA & Co. dem Interesse der Allgemeinheit dient. Zu diesem Ergebnis kommt zumindest eine Umfrage, in der es auch um persönliche Konsequenzen der Befragten ging.

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(Bild: ClearFrost, CC BY-SA 2.0 )

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Anderthalb Jahre nach Beginn der Enthüllungen über die Spähprogramme der NSA und anderer Geheimdienste verlieren immer mehr mehr US-Bürger das Vertrauen in den Sinn dieser Überwachung. Zu diesem Ergebnis kommt das Pew Research Center in einer repräsentativen Umfrage zu den Folgen des NSA-Skandals. Insgesamt haben demnach 87 Prozent der Befragten etwas von dem Überwachungsskandal mitbekommen. 61 Prozent von ihnen seien mittlerweile weniger sicher, dass die Überwachungsprogramme dem öffentlichen Interesse dienten. Dieser Vertrauensverlust ist unter den Republikanern beziehungsweise den ihnen nahe stehenden Wählern größer als unter Demokraten und deren Anhängern (70 Prozent vs. 55 Prozent).

NSA-Skandal

Die NSA, der britische GCHQ und andere westliche Geheimdienste greifen in großem Umfang internationale Kommunikation ab, spionieren Unternehmen sowie staatliche Stellen aus und verpflichten Dienstleister im Geheimen zur Kooperation. Einzelheiten dazu hat Edward Snowden enthüllt.

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Insgesamt gibt es demnach große Unterschiede, wenn es um eine allgemeine Einschätzung der Legitimation von Überwachung geht. Für 82 Prozent der Befragten ist es demnach in Ordnung, dass die Kommunikation von Terrorverdächtigen überwacht wird. 60 Prozent seien der Meinung, dass ausländische Staatsoberhäupter überwacht werden dürfen: Die Überwachung ausländischer Bürger finden demnach noch 54 Prozent der US-Bürger in Ordnung. Erst wenn es um die eigene Kommunikation geht, wechselt die Mehrheit: 57 Prozent halten eine Überwachung von US-Bürgern "inakzeptabel".

Von der klaren Mehrheit der US-Bürger, die etwas von den Überwachungsprogrammen mitbekommen haben, hat der Umfrage zufolge rund ein Drittel persönlich Konsequenzen gezogen. 17 Prozent haben angegeben, ihre Privatsphäre-Einstellungen in sozialen Netzwerken geändert zu haben, 15 Prozent nutzten soziale Netzwerke seltener und 15 Prozent verzichteten auf bestimmte Apps, 13 Prozent hätten einzelne Apps sogar deinstalliert. Ganze 13 Prozent haben demnach erklärt, bestimmte Begriffe in ihrer Online-Kommunikation zu vermeiden, 14 Prozent kommunizierten inzwischen lieber persönlich als online oder am Telefon.

Schließlich wurden die Teilnehmer der Studie auch noch zu Tools befragt, die vor Überwachung schützen helfen sollen. So haben 53 Prozent erklärt, sie seien im Netz nicht zu einer Suchmaschine gewechselt, die ihre Anfragen nicht trackt. Weitere 13 Prozent wüssten nicht einmal von dieser Möglichkeit. Insgesamt 77 Prozent wissen entweder nichts von E-Mail-Verschlüsselung per PGP oder benutzten diese zumindest nicht. Ähnlich hoch ist die Ablehnung beziehungsweise das Unwissen zu Themen wie Anti-Tracking-Plugins im Browser, Proxy-Server oder dem Anonymisierungsnetz Tor. (mho)