Umsatzwachstum: Twitter-Aktie schießt nach oben

Ein Plus von 29 Prozent verzeichnete die Aktie im nachbörslichen Handel, obwohl Twitter seinen Nettoverlust mehr als verdreifachte. Den Anlegern waren Nutzer- und Umsatzzuwachs wichtiger.

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Von
  • Daniel AJ Sokolov

Einen Satz von fast 29 Prozent nach oben hat die Twitter-Aktie Dienstagabend im nachbörslichen Handel gemacht: Die am Abend veröffentlichten Quartalszahlen hatten die Anleger enthusiasmiert, weil Userzahl (+24 Prozent) und Umsatz (+124 Prozent) deutlich gestiegen sind. Dabei hat sich der Nettoverlust von 42 Millionen auf 145 Millionen Dollar mehr als verdreifacht (+243 Prozent). Im Vergleich zum ersten Quartal, als sich der Verlust noch verfünffacht hatte, ist aber selbst das eine gute Nachricht.

Es ist erneut das Mitarbeiter-Aktienprogramm, das mehr als Hälfte des Umsatzes kostet und Twitter ins Minus reißt. Das Unternehmen zieht den Betrag ab und weist dann rund 15 Millionen Dollar "Non-GAAP Net Income" aus, also einen nicht nach den allgemein anerkannten Buchhaltungsregeln errechneten Profit. Obwohl bei börsennotierten Unternehmen üblich, ist das eine fragwürdige Berechnung.

Denn ohne Aktienprogramm müssten die Grundgehälter deutlich höher sein. Einen Vorteil hat das Aktienprogramm aber schon: Das Unternehmen muss kein echtes Geld ausgeben, sondern zahlt stattdessen in eigenen Aktien. So hatte Twitter zur Jahresmitte Barreserven von gut zwei Milliarden US-Dollar.

Der Umsatz ist um 124 Prozent auf 312 Millionen US-Dollar gestiegen. Davon entfallen 277 Millionen auf Werbeeinnahmen (+129 Prozent). Die Zahl der in einem Monat mindestens einmal aktiven Nutzer (Monthly Active User, MAU) ist um 24 Prozent auf 271 Millionen gewachsen. Twitter kann also deutlich mehr Werbeeinnahmen pro User generieren.

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, wie international die Twitteria ist. 78 Prozent der MAU sind mit einer Ortsangabe außerhalb der USA registriert. Der Umsatz wird aber nur zu einem Drittel außerhalb der USA generiert.

Twitter-CEO Costolo baut auf zahlreiche Experimente mit Twitter-Usern.

(Bild: CC-BY-2.0 Financial Times/Drew Altizer)

Finanzanalyst Peter Stabler von Wells Fargo Securities erwähnte in einer Telefonkonferenz mit dem Twitter-Management eine von dritter Seite erstellte Statistik. Demnach veröffentlichen die 2012 und 2013 beigetretenen Twitter-User immer weniger aktiv auf Twitter. Twitter-CEO Dick Costolo wollte das nicht kommentieren. "Es bleibt eine Tatsache, dass die Mehrheit unserer MAU auf der Plattform Inhalte kreiert." Wirklich vertrauensstiftend ist so eine "Mehrheit" nicht. Costolo fügte hinzu, dass für die Werbekunden die Beschäftigung mit ihrer Reklame zähle. Ob der User auch inhaltlich zu Twitter beitrage, sei dabei unerheblich.

Der Twitter-Chef lässt auch laufend Experimente durchführen. Vor allem will er den Abstand zwischen einem Beitritt zu Twitter und einer positiven Erfahrung verringern. Radikale Änderungen an Twitter werde es aber nicht geben. (ds)