Menü

Umstrittene Musiksite Allofmp3 geht in die Offensive

Lesezeit: 2 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 550 Beiträge
Von

Der Konflikt um den russischen Musikdownload-Anbieter Allofmp3.com erreichte eine neue Stufe der Eskalation. So erklärten die Betreiber der Download-Plattform, es sei die Schuld der Plattenfirmen, dass Künstler kein Geld mit den Allofmp3-Downloads verdienten. Gleichzeitig gab der Kreditkartenanbieter VISA laut International Herald Tribune bekannt, die Zusammenarbeit mit Allofmp3 wegen der Urheberrechtsproblematik einzustellen.

Allofmp3 reagierte darauf mit einem Schachzug, der für weiteren Verdruss bei den Plattenfirmen sorgen dürfte: Die Plattform gab den Startschuss für ein Projekt namens "Music for Masses", das den kostenlosen Download des kompletten Allofmp3-Katalogs ermöglicht (erreichbar über einen neuen "Free Mode" bei der Bestellung von Musiktracks für das Online-Encoding mittels "Add Album to Basket" auf Allofmp3). Nutzer der Webseite können damit von jedem verfügbaren Song eine mit 128 kBit/s kodierte Version umsonst herunterladen. Die Dateien lassen sich jedoch nur mit einem speziellen Allofmp3-Player wiedergeben. Die Dateien werden mit dem Lame-MP3-Codec kodiert und besitzen die Endung ".mp3x". Ein Abspielen der Songs ist zudem nur möglich, wenn der jeweilige Computer mit dem Internet verbunden ist. Das bisher nur als Alpha-Version erhältliche Windows-Programm nimmt beim Laden eines neuen Songs Kontakt mit einem Allofmp3-Server auf und unterbindet bei fehlender Netzwerkanbindung die Wiedergabe. Allofmp3 will mit den kostenlosen Downloads eigenen Angaben zufolge ein werbefinanziertes Angebot aufbauen. Dazu soll Werbung direkt in den "Music for Masses"-Player integriert werden. Eine Mac-Version der Software soll zudem in den nächsten Wochen verfügbar sein. Neben den Umsonst-Downloads wird es weiterhin kostenpflichtige Songs in ungeschützten Formaten geben.

"Music for Masses" wurde auf der gestrigen Pressekonferenz interessanterweise mit keinem Wort erwähnt. Allofmp3s Mutterfirma Mediaservices hatte Journalisten aus der ganzen Welt erstmalig dazu eingeladen, mit dem Geschäftsführer Vadim Mamotin über das Internet ins Gespräch zu kommen. Die Firma hatte dazu eine Art rudimentäres Konferenzsystem eingerichtet, das entfernt an Web-Chat-Räume Anfang der Neunziger erinnerte.

Mamotin und seine PR-Mitarbeiter nutzten das Forum, um sich gegen die wachsende Kritik der Musikindustrie zur Wehr zu setzen. So beteuerte man abermals, dass Allofmp3 aufgrund von Zahlungen an die lokale Verwertunsgesellschaft ROMS in Russland legal sei. Im Übrigen sei es die Schuld der Plattenfirmen, dass Musiker nicht an diesen Geldern beteiligt würden. Von der Firma hieß es dazu wörtlich: "ROMS hat den Plattenfirmen angeboten, diese Lizenzgelder auszuzahlen, hat dafür jedoch eine Abfuhr erhalten." Mediaservices hatte auch sonst keine guten Worte für die Musikindustrie übrig: "Plattenfirmen nehmen keine Rücksicht auf die Mehrheit der Musiker. Es geht ihnen nur darum, Geld für sich selbst zu erwirtschaften."

Die Rolle der Webseite in Russlands Beitrittsverhandlungen zur Welthandelsorganisation (WTO) kam ebenfalls auf der Pressekonferenz zur Sprache. Eine Vertreterin der USA hatte Anfang Oktober verkündet, die Download-Plattform führe die Liste "berüchtigter Märkte" an. "Allofmp3 ist kein Hinderungsgrund für Russlands WTO-Beitritt", erklärte dagegen das Mediaservices-Team. Die USA nutzten Allofmp3 lediglich als Vorwand, um Russland zu weiteren Konzessionen zu zwingen. Man sei von der russischen Regierung jedoch bisher nicht unter Druck gesetzt worden.

Für zahlreiche Fragen sorgten schließlich auch Allofmp3s eigene internationale Handelsbeziehungen. Die Betreiber der Webseite haben in der Vergangenheit immer wieder argumentiert, ihr Angebot lediglich für russische Kunden zu betreiben. Warum also ermöglicht man auch Kunden in Deutschland oder Großbritannien den Zugriff auf Allofmp3? "Wir sind immer noch nicht davon überzeugt, dass unser Angebot in diesen Ländern illegal ist", kommentierte Mediaservices. Die Gesetzeslage sei in Bezug auf internationale Transaktionen oftmals sehr komplex.

Deutlichen Widerspruch dazu dürfte Mediaservices von der deutschen Musikindustrie ernten. Die Branche hatte vor gut einem Jahr vor dem Landgericht München eine einstweilige Verfügung gegen Allofmp3 erwirkt. Darin wurde es Allofmp3 verboten, die Aufnahmen der beteiligten Plattenfirmen in Deutschland zu verbreiten. Aufgrund dieser Entscheidung ging die Musikindustrie auch gegen die Verlinkung der Website von Allofmp3 vor. (Janko Röttgers) / (jk)