Umweltbundesamt: Treibhausgas-Emissionen sind 2019 um 6,3 Prozent gesunken

Im Verkehrssektor lag der Ausstoß mit 163,5 Millionen Tonnen CO₂ auf einem höheren Niveau als im Vorjahr. Umweltschützer fordern erhöhte Einsparanstrengungen.

Lesezeit: 2 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 122 Beiträge

(Bild: yotily/Shutterstock.com)

Von

In Deutschland sind 2019 rund 805 Millionen Tonnen Treibhausgase freigesetzt worden. Dies entspricht rund 54 Millionen Tonnen oder 6,3 Prozent weniger als 2018. Die Zahlen stammen aus der vorläufigen offiziellen Bilanz, die das Umweltbundesamt (UBA) am Montag veröffentlicht hat. Beim dominierenden CO₂ beträgt das Minus demnach nahezu 50 Millionen Tonnen oder 6,6 Prozent. Die Methangesamtemission gingen um 2,5 Millionen Tonnen zurück (minus 4,7 Prozent). Lachgas lag bei nahezu 1,3 Millionen Tonnen oder 3,5 Prozent weniger.

heise online daily Newsletter

Keine News verpassen! Mit unserem täglichen Newsletter erhalten Sie jeden Morgen alle Nachrichten von heise online der vergangenen 24 Stunden.

Die größten Fortschritte hat die Energiewirtschaft gemacht, die fast 51 Millionen Tonnen CO2 und damit 16,7 Prozent gegenüber 2018 eingespart hat. Als wesentlichen Grund dafür nennt das UBA den verstärkten Einsatz von Gaskraftwerken, die weniger Treibhausgase ausstoßen als Kohlemeiler. Hier mache sich neben niedrigen Weltmarktpreisen für Gas vor allem die Reform des europäischen Emissionshandels bemerkbar, die zu höheren CO2-Preisen geführt hat. So habe der Durchschnittspreis für eine Tonne CO2 2019 mit 24,65 Euro fast doppelt so hoch wie im Vorjahr. Der Betrieb von Kohlekraftwerken war damit häufig teurer als der von Gaskraftwerken.

2019 wurden zudem Steinkohlekraftwerke mit insgesamt 3,5 Gigawatt Leistung stillgelegt oder in die Netzreserve überführt. Auch die in die Sicherheitsbereitschaft übernommenen Braunkohle-Kraftwerksblöcke im Oktober 2018 und im Oktober 2019 haben dazu beigetragen, den CO2-Ausstoß zu mindern. Dazu kommt der deutlich gestiegene Beitrag der erneuerbaren Energien an der Stromproduktion. Grund dafür ist laut UBA allerdings nicht in erster Linie der Bau neuer Anlagen wie der umkämpften Windräder, sondern "ein besonders wind- und sonnenreiches Wetter".

Die Emissionen der Industrie sind gegenüber dem Vorjahr um über 7 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente beziehungsweise 3,7 Prozent zurückgegangen. Zum großen Teil erklärt das UBA dies mit der reduzierten Brennstoffnutzung in den Industriefeuerungen und der geringeren Stromerzeugung in Industriekraftwerken. Die sogenannten Prozessemissionen sanken insbesondere in der Stahlindustrie. Die Emissionen von Gebäuden stiegen im Vergleich zu 2018 dagegen um 5 Millionen Tonnen an, ein Plus von 4,4 Prozent, zurückzuführen vor allem auf die deutlich gestiegenen Heizölabsätze.

Die Treibhausgas-Emissionen im Sektor Industrie in Deutschland seit 1990.

(Bild: Bundesumweltamt)

Der CO₂-Ausstoß des Verkehrs lag mit 163,5 Millionen Tonnen bei plus 0,7 Prozent auf einem leicht höheren Niveau als im Vorjahr. Es sind zwar sparsamere Fahrzeuge auf den Markt gekommen, gleichzeitig hat aber auch der Kfz-Bestand um 1,6 Prozent zugelegt.

Die Treibhausgas-Emissionen im Sektor Verkehr in Deutschland seit 1990

(Bild: Umweltbundesamt)

In der Landwirtschaft gingen die Emissionen um 2,3 Prozent auf 68,2 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente zurück. Gründe dafür sind sinkende Tierbestände bei Rindern Schweinen sowie ein um 10,3 Prozent zurückgegangener Mineraldüngerverkauf. Der Abfallsektor erreichte ein Minus von 0,5 Millionen Tonnen beziehungsweise 4,7 Prozent.

Im Vergleich zu 1990 sanken die Emissionen erwartungsgemäß um 35,7 Prozent. Die Bundesregierung hat mit dem Klimaschutzgesetz das Ziel ausgegeben, den Ausstoß bis 2030 um mindestens 55 Prozent zu mindern. Laut zwei Gutachten reichen die bisher mit dem Klimapaket beschlossenen Maßnahmen dafür aber nicht aus. Darin ist von erreichbaren 51 beziehungsweise 52 Prozent die Rede. die Marke für 2020 liegt bei voraussichtlich ebenfalls kaum haltbaren 40 Prozent.

Die Regierung müsse ihre Anstrengungen in Sachen Klimaschutz "in allen Bereichen deutlich erhöhen", forderte der Vorsitzende des Umweltschutzverbands BUND anhand des gemischten Ergebnisses. "Auch in Zeiten der Corona-Krise darf der Klimaschutz nicht ausgebremst werden." Dafür brauche es jetzt vor allem einen zügigen Ausbau der Erneuerbaren und eine ambitionierte Energiesparpolitik.

Die Gesamtentwicklung der Treibhausgas-Emissionen in Deutschland seit 1990.

(Bild: Bundesumweltamt)

Greenpeace fordert, im Verkehrsbereich die geplante Reform der Kfz-Steuer mit einer "CO2-basierten Zulassungssteuer" zu verbinden. Damit sei es etwa der niederländischen Regierung gelungen, den durchschnittlichen CO2-Ausstoß von Neuwagen innerhalb von zehn Jahren von einem mit Deutschland vergleichbaren Niveau auf einen europäischen Spitzenwert zu senken. Greenpeace will mit einer Studie des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft einen solchen Weg aufzeigen. (olb)