Menü

Uncharted - The Lost Legacy angespielt: Die doppelte Lara

In dem neuen Action-Adventure schickt Sony gleich zwei Abenteuerinnen in den Dschungel und macht Tomb Raider Konkurrenz. Was taugt das filmreif inszenierte Spiel?

Angespielt: Uncharted - The Lost Legacy

(Bild: heise)

Anzeige
Uncharted: The Lost Legacy (deutsch) (PS4)
Uncharted: The Lost Legacy (deutsch) (PS4) ab € 19,95

Mit „The Lost Legacy" veröffentlicht Sony eine eigenständig laufende Erweiterung zu seinem 2016er Action-Adventure "Uncharted 4: A Thief‘s End“ für die PS4. Statt des nimmermüden Fünf-Tagebart-Trägers Nathan Drake steuert der Spieler die abenteuerlustige Chloe Frazer, die zusammen mit der Söldnerin Nadine Ross nach einem legendären Kunstwerk sucht.

Wie in den vorigen Teilen der „Uncharted“-Serie teilt sich die Spielweise in Action-, Geschicklichkeits- und Rätselabschnitte, die via Story-relevante Dialogszenen miteinander verbunden sind. Die Rahmenhandlung startet in einer indischen Großstadt, wo sich Chloe und Nadine treffen, um ihre Suche nach dem sagenhaften Stoßzahn des Gottes Ganesha zu besprechen. Wie üblich in Spielen nach dem "Indiana Jones"-Muster, tritt bald ein charmanter Bösewicht namens Asav auf den Plan, dem die beiden Damen nur knapp entkommen können.

Uncharted: The Lost Legacy – im Heise-Video-Check

In den folgenden Stunden durchstöbern die Heldinnen ein weitläufiges Dschungel-Terrain nach Hinweisen auf das vermutete Stoßzahn-Versteck. Ein Jeep kommt den Frauen gelegen, damit fahren sie rasch die auf der Karte markierten Punkte ab, und zwar in beliebiger Reihenfolge. Abgesehen davon erweist sich die Spielweise als linear. In den Indiana-Jones-ähnlichen Tempel- und Festungsanlagen klettern Chloe und Nadine mit übermenschlicher Stärke Wände empor, schwingen sich an Seilen über Abgründe und kriechen durch enge Tunnel, ganz wie das große Videospielvorbild Lara Croft. Zwischenzeitlich müssen die beiden Scharen bewaffneter Söldner des Fieslings Asav erledigen, was in actionreichen Schießereien geschieht.

Spielt man auf einem der beiden höchsten der insgesamt fünf Schwierigkeitsstufen, kann man rasch das Zeitliche segnen, insbesondere in den Szenen, in denen einige der Gegner Rüstungen tragen, Granaten werfen oder mit dem Scharfschützengewehr sofort tödliche Schüsse abfeuern. Auf den beiden unteren Stufen hingegen braucht man sich wenig Sorgen ums Ableben zu machen.

Bei den Geschicklichkeitsszenen ist keine allzu große Präzision nötig, Chloe kann sogar Felswände ohne Halt hinaufklettern, indem sie ein Steigeisen benutzt. Das macht Spaß und mündet stets in hübsche Zwischenszenen, die Hersteller Naughty Dog kinofilmförmig inszeniert hat. Erstklassig haben die Entwickler die Mimik der Figuren in Szene gesetzt. Indes haben die Entwickler der jungen und sportlichen Chloe eine ungesunde Haltung verpasst: Die Frau läuft stets vornüber gebeugt, als litte sie unter einem Buckel.

Das Teamwork von Chloe und Nadine ist das Salz in der Story-Suppe. Ganz wie in den Indiana-Jones-Filmen zerstreiten sich die beiden nach knapp vier Spielstunden. So hübsch der Widerstreit auch ist, so nervtötend sind die ständigen flapsigen Kommentare, die die beiden von sich geben, während sie Gegner töten oder sich über Schluchten schwingen. Zudem macht sich ein logischer Lapsus bemerkbar, wenn die Gegner während wilder Schießereien Nadine komplett ignorieren, selbst wenn sie wenige Meter vor ihnen steht, während Chloe sofort unter Beschuss genommen wird. Die Künstliche Intelligenz der Gegner ist ansonsten akzeptabel, manchmal schleichen sich einige Söldner gar von der Seite an und überraschen den Spieler.

Die indische Landschaft sieht atemberaubend schön aus, hier erlebt man rauschende Wasserfälle, üppige Bäume und aufstiebende Vogelschwärme, wenn die Frauen mit dem Jeep durch detailliert gestaltete Flussbetten fahren. Manchmal sieht man Affen in Baumkronen spielen, und dann begegnet man sogar Elefanten, die majestätisch ihre Köpfe bewegen. Die hübschen Szenen trösten den Spieler über die allzu große Routine hinweg, die sich in dem großen Dschungel-Areal einstellt, wenn man bei jeder Tempelruine zum wiederholten Mal eine Dutzendschaft Söldner niedermäht.

Die wenigen Rätsel in den Katakomben sind ein echtes Highlight. So muss der Spieler Figuren auf einem neunteiligen Feld arrangieren, dass ihre Schatten auf zwei Seiten vollständige Figuren bilden.

In "The Lost Legacy" macht sich in jeder Szene die bewährte "Uncharted"-Formel bemerkbar. Wenn auch nicht so aufwendig und abwechslungsreich wie Teil 4, so ist die neue Folge doch gekonnt routiniert inszeniert. Das gilt ebenso für das weibliche Heldengespann, das sich genau so durchs Abenteuer ballert und witzelt wie Sam und Nathan Drake in "Uncharted 4". Dennoch ist das Spiel immens spaßig, daran können die logischen Brüche, Quatsch-Dialoge und leichte technischen Mankos nichts ändern. Denn die Spielwelt sieht wunderschön aus, die Kletter-, Kampf- und Rätselszenen reihen sich ohne Durchhänger aneinander, und ab dem mittleren Schwierigkeitsgrad dürfen Actionspieler mit einem Faible für Hollywood-Klischees zeigen, wie gut sie die Damen durch Indien lotsen. Zusätzlich zur Kampagne gibt’s den Mehrspielermodus aus "Uncharted 4" mit einer neuen Spielfigur.

"Uncharted: The Lost Legacy" ist ab dem 23. August 2017 für PS4 und PS4 Pro erhältlich zum Preis von rund 45 Euro, sowohl als Download wie auf Disk. Hersteller Sony verkauft das Spiel als Stand-Alone-Produkt, der Spieler braucht den Serienhauptteil "Uncharted 4" nicht zu besitzen. "Uncharted: The Lost Legacy" hat eine USK-Freigabe ab 16 Jahren erhalten, die Download-Fassung belegt knapp 50 Gigabyte im PS4-Festplattenspeicher. Für unser "Angespielt" haben wir das Spiel mehrere Stunden auf der PS4 Pro gespielt. Auf der PS4 Pro unterstützt das Spiel 4K-Bildschirme mit HDR. (Peter Kusenberg) / (hag)

Anzeige
Zur Startseite
Anzeige