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Und immer noch lockt Hannover: 30 Jahre CeBIT

Vor 30 Jahren nahm die CeBIT als eigenständige Messe ihren Lauf. 334.000 Besucher informierten sich damals über den Stand der Datenverarbeitungstechnik. Inzwischen hat sich die Messe reichlich gewandelt.

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(Bild: Deutsche Messe AG)

Als 1986 aus dem "Centrum der Büro- und Informationstechnik" die CeBIT wurde und ab dem 12. März 1986 auf 200.000 Quadratmetern IT-Technik zeigte, wollten 2142 Aussteller mit dabei sein. Seit dem Bau der Halle 1 für dieses Centrum im Jahre 1970 war die Zahl der IT-Aussteller kontinuierlich angestiegen und dominierte schließlich die Hannover Messe. Zwei Drittel der Besucher kamen, um zu sehen, was die "EDV" zu bieten hat: Der Gedanke an eine eigenständigen Messe lag nahe und wurde mit Erfolg verwirklicht.

In der langen Geschichte der CeBIT nimmt die erste Messe von 1986 einen ganz besonderen Platz ein. Dies nicht allein, weil mit dem Tod von Heinz Nixdorf auf der CeBIT der deutschen IT-Branche eine Leitfigur verloren ging. Erstmals musste sich die schlipstragende EDV mit Newcomern beschäftigen, die den "Spaß am Gerät" propagierten. Zwar waren bereits 1983 rund 200 "Personalcomputer" auf der Hannover Messe vertreten, doch erst 1986 änderte sich die Lage drastisch.

Vom Publikumsandrang her gesehen war der Amiga der Messestar, doch auch die Ataris 520 und 1040 ST stießen auf enormes Interesse, bei Apple war es der Macintosh Plus mit Appletalk-Vernetzung. Zudem gab es auf der eigenständigen CeBIT erstmals ein "Computercamp" für junge Leute – das Quotenmädchen Kathrin Passig erinnert sich noch gut an die CeBIT 1986 und ihre frühkindliche Computer-Prägung.

Mit den neugierigen jungen Leuten besuchte eine Spezies das Messegelände, die an anderem als an Boris Becker interessiert waren, der auf der CeBIT 1986 für Philips' MSX-Computer warb. Für jugendliche Hacker war der Computer nur ein Vehikel, um den Cyberspace aufsuchen zu können. Unter dem Titel "Von der Lust, ein Dark-Side-Hacker zu sein", schrieb der Hannoverander Karl Koch ein Pamphlet, in dem er unter "1986" schrieb: "Der Cyberspace ist real. Es ist ein Fakt, dass sich die Koepfe der Speicherplatten bewegen, wenn Du eine Taste drueckst, egal, ob der Rechner in Hamburg oder Kalifornien steht. Auch du bist real im Cyberspace. Du gibst Dir zwar einen anderen Namen, um Deine Identitaet zu kaschieren, das aendert aber nichts daran, dass Dein realer Kopf bestimmt, was die Maschine tut." Ein ikonisches Foto zeigt den drei Jahre später gestorbenen Karl Koch auf der CeBIT 1986 an einem Atari am Stand des Landes Niedersachsen.

Wie weit entfernt diese Welt von der Datenverarbeitung-Hochkultur war, zeigte die Computerworld, die davon berichtete, dass IBM mit X.400 auf der CeBIT erstmals das OSI-Protokoll unterstützte und gemeinsam mit ICL, Groupe Bull, Siemens und Nixdorf Computer demonstrierte, wie E-Mails standardisiert ausgetauscht werden könnten. Statt Cyberspace stand die Bürokommunikation im Vordergrund: Die Profi-Welt träumte den OSI-Traum.

Mit 334.000 Besuchern bei einem Eintritt für 8 DM konnte sich die CeBIT '86 aus dem Stand weg als "größte Computermesse der Welt" profilieren, wie in jeder zeitgenössischen TV-Sendung betont wurde. Zehn Jahre später kostete der Eintritt satte 50 DM, weil die Messeleitung nach einer mit 750.000 Besuchern völlig überlaufenen CeBIT'95 die Massen zurückdrängen wollte.

Das gelang, jedoch nicht sofort – auch weil andere Messen wie die Mobilfunkmesse MWC in Barcelona oder die CES in Las Vegas immer wichtiger wurden: 2006 kamen "nur" noch 450.000 Besucher zur CeBIT, nachdem der Allzeitrekord von 850.000 Besuchern im Jahre 2001 aufgestellt worden war. Schreibt man die bis damals verfolgte Geschichte der CeBIT fort, so zeigt sich, dass die Messe zunehmend ein Problem hatte, mit ihrer Ablehnung der Unterhaltungstechnik die Digitalisierung aller Lebensbereiche angemessen abzubilden.

30 Jahre CeBIT (5 Bilder)

Im "Centrum der Büro- und Informationstechnik" auf der Hannover Messe gab es anfangs vor allem Büromaschinen zu sehen, von der Schreibmaschine bis zur Kuvertieranlage.
(Bild: Messe AG)

So kamen im Jahr 2013 lediglich 285.000 Besucher zur CeBIT, die damit erstmals die Besucherzahl des ersten Jahres verfehlte. Besucher mit Digitalthemen anlocken, das gelingt mittlerweile der IFA in Berlin besser, die Smartphones, Fitness-Armbänder und smarte Haussteuerung auf einer Messe zeigen kann.

Die viel beschworene "digitale Transformation von Geschäftsprozessen" ist längst abgeschlossen, womit die CeBIT nur für Profi-Besucher der unversorgten Bereiche interessant ist, etwa beim eGovernment im Public Sector Park. Zudem ist das zuletzt recht groß aufgezogene Start-Up-Theater von Code_n nach Karlsruhe weitergezogen und wurde durch ein Projekt namens SCALE11 ersetzt, das sich erst beweisen muss. Die CeBIT aber möchte auch 2016 unter dem aus dem vorherigen Jahr übernommenen Stichwort d!conomy die "Digitalisierung aller Lebensbereiche" thematisieren. (anw)