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United Internet kauft DSL-Geschäft von Freenet

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Die lange ergebnislose Suche nach einem Käufer für das DSL-Geschäft hat für den Telekommunikationsdienstleister Freenet.de nun ein Ende: Die Internet-Holding United Internet, mit 1&1 bereits im Geschäft als Reseller von DSL-Anschlüssen aktiv, übernimmt den Bereich der Freenet AG.

Wie aus einer Mitteilung am heutigen Dienstagmorgen hervorgeht, bezahlt United Internet 123 Millionen Euro für die Freenet Breitband GmbH. Der Kaufpreis setze sich aus 70 Millionen Euro in bar sowie 4,6 Millionen Aktien von United Internet zusammen. Außerdem sei eine Vereinbarung über die "präferierte Zusammenarbeit im Vertrieb von DSL-Produkten" geschlossen worden, wie United Internet erklärte.

United Internet, neben 1&1 bei Internet-Nutzern vor allem mit den Marken GMX und web.de bekannt, war bereits lange Zeit als Interessent für das DSL-Geschäft der Freenet AG im Gespräch; zeitweise betrieb der Internet-Dienstleister zusammen mit dem Mobilfunkprovider Drillisch gegen den Willen des damaligen Freenet-Vorstandsvorsitzenden Eckhard Spoerr die Übernahme und Zerschlagung des Unternehmens. United Internet und Drillisch wollen die Konsolidierung bei ihren jeweiligen Kerngeschäften (Internet-Anschlüsse hier, Mobilfunk da) vorantreiben.

Der Verkauf des Freenet-DSL-Geschäfts war ursprünglich angekündigt worden, um den Schuldenberg aus der Übernahme des kleineren Konkurrenten debitel durch die Freenet AG zu reduzieren. Der Verkaufsprozess war aber nach Meinung von Marktbeobachtern wegen zu hoher Preisvorstellungen von Vorstandschef Eckhard Spoerr ins Stocken geraten. Im November 2008 hatte sich United Internet schon einmal offiziell aus dem Bieterkreis zurückgezogen. Schon damals wurde spekuliert, dies könnte vor allem zum Ziel haben, Druck auf Spoerr auszuüben und den Preis für den DSL-Bereich der Freenet AG weiter zu drücken.

Spoerr hatte das Unternehmen nach turbulenten Zeiten und heftigen Auseinandersetzungen um die Ausrichtung des Unternehmens im Januar verlassen. Zwar hatte sich der umtriebige Manager im internen Wettstreit um die Führung gegen den ehemaligen Debitel-Chef Oliver Steil noch durchsetzen können. Doch wurde zum Schluss der Druck der unzufriedenen Anleger zu groß und der Aufsichtsrat, der sich bis dahin hinter den Vorstandschef gestellt hatte, rückte von Spoerr ab. Der Ex-Vorstandschef war kurz nach seinem Abgang wegen Insiderhandels zu einer Geldstrafe verurteilt worden.

Anfang April kam dann ein neuer Vorstandschef zur Freenet AG. Zur ersten und wichtigsten Aufgabe von Christoph Vilanek gehörte nach allgemeiner Erwartung, den Verkauf des DSL-Geschäfts nun endlich unter Dach und Fach zu bringen. Was er offensichtlich auch erledigt hat – sobald das Bundeskartellamt sein Placet gegeben hat.

Die 1&1 Internet AG kauft im Zuge des Erwerbs alle freenetDSL und freenetKomplett-Verträge, hieß es zum Abschluss des Vertrags. Kunden, die von Freenet-Partnern betreut werden, sollen bei Freenet verbleiben. United Internet geht davon aus, dass zum Zeitpunkt der Migration ungefähr 700.000 DSL-Verträge an 1&1 übergehen. Für den Kaufpreis wurden diverse Klauseln vereinbart, so ist eine Ausgleichszahlung für den Aktienanteil fällig, wenn der Kurs der United-Internet-Aktie unter 12 Euro fällt.

Mit dem Abschluss dieses Geschäfts könnte nun der Startschuss für die lang erwartete Konsolidierung und weitere Konzentrierung des DSL-Geschäfts in Deutschland gefallen sein: Das DSL-Geschäft flacht ab, kleinere Anbieter geraten zunehmend unter Druck, und die Wirtschaftskrise tut ihr Übriges, die Bedingungen zu verschärfen. QSC hat sich bereits vollständig aus der Vermarktung von DSL-Anschlüssen an Privatkunden zurückgezogen; als Bewerber für die zum Verkauf stehende Hansenet haben sich bereits Vodafone und Telefonica angemeldet, auch United Internet wird hier Interesse nachgesagt.

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(jk)