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Universität Paderborn entwickelt P2P-Facebook

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Auf der CeBIT hat ein hauptsächlich an der Universität Paderborn ansässiges Team um den in Düsseldorf lehrenden Juniorprofessor Kálmán Graffi ein Peer-to-Peer-Framework für dezentrale soziale Netzwerke vorgestellt, in denen die Nutzer ihre Daten nicht mehr einem großen Unternehmen überantworten müssen, sondern auf eigener Hardware speichern, wo sie deutlich mehr Kontrolle darüber haben.

Dies ist unter anderem deshalb der Fall, weil Nutzungsbedingungen nicht beliebig geändert werden können und weil ein Anreiz fehlt, mit einem mehr oder weniger heimlichen Verkauf von Daten Geld zu verdienen. Außerdem können Oberflächen so gestaltet werden, dass die Sichtbarmachung nicht versehentlich für einen weitaus größeren als den eigentlich vorgesehenen Personenkreis erfolgt. Letzteres garantiert das Framework auch dadurch, dass alle Daten verschlüsselt und signiert werden. Beim Datenschutzportal Unwatched.org hofft man deshalb, dass das System Facebook Konkurrenz macht.

Graffi selbst sieht den Einsatz seiner Entwicklung, deren Prototyp bereits an den Universitäten Paderborn und Düsseldorf läuft, allerdings eher bei Unternehmen, im öffentlichen Dienst und bei NGOs, wo sie beispielsweise Schulungen oder örtliche verstreute Arbeitsgruppen nutzen könnte. Durch das P2P-Prinzip wären dazu keine großen Investitionen in neue Server notwendig, weil die dezentral vorhandenen Kapazitäten genutzt werden. NGOs in Staaten mit Zensurproblem hätten darüber hinaus den Vorteil, dass sich ein solches Netzwerk aufgrund seiner verteilten Struktur nur schwer vollständig abschalten lässt.

Grundsätzlich soll die Technologie aber jeder nutzen können – egal ob er damit ein eigenes Netzwerk für zehn Freunde oder ein neues Facebook betreiben will. Auch die Entwicklung von Plugins und Apps will man zulassen und fördern. Bislang führt der Downloadlink auf der Projektseite allerdings auf eine Meldung, die besagt, dass es noch keine "öffentliche" Version der Software gibt, der Betatest aber "bald" beginnen wird. Potenzielle Forschungspartner werden aufgefordert, die Entwickler direkt zu kontaktieren. (pem)

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