Menü

Unreal Engine 4: Middleware erfasst Gesichtsanimationen per Webcam

Eine Middleware soll aufwendige Motion-Capturing-Verfahren vereinfachen und überträgt die Mimik eines Schauspieler direkt in die Spiele-Engine.

Lesezeit: 1 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 8 Beiträge

(Bild: Faceware)

Von

Wenn Spieleentwickler ihren Figuren mit realen Schauspielern menschliche Züge verleihen wollten, war bislang viel Aufwand nötig: Mit teuren Spezialkameras mussten die mit Kugelmarkern beklebten Schauspieler aufgenommen werden, danach erfolgte die Übertragung der Daten auf ein Modell am Rechner.

Die US-Firma Faceware Tech will mit einer Middleware namens Faceware Live 2.0 diesen Aufwand deutlich reduzieren. Die auf der Grafikmesse Siggraph vorgestellte Technik ermöglicht die Aufnahme von Gesichtsbewegungen und die Übertragung in das Spielegerüst Unreal Engine 4 in Echtzeit. Darüber hinaus kommt Faceware ohne Klebekügelchen auf dem Gesicht des Schauspielers aus, die Aufnahme sei sogar mit einer herkömmlichen Webcam möglich.

In einem Video zeigen Epic und Faceware die Übertragung der Gesichtszüge auf eine Spielfigur, die mit der Unreal Engine 4 gerendert wird. Alle Mimik-Änderungen der Schauspielerin werden über eine am Helm befestigte Webcam aufgenommen. Gleichzeitig werden über im Raum verteilte Kameras auch die Körperbewegungen erfasst, hierfür sind jedoch auch weiterhin die kleinen Kugelmarker nötig.

Als virtuelle Spielwiese für die Versuche dient der im März 2015 veröffentlichte Kurzfilm "A Boy and His Kite“, der ursprünglich die grafischen Möglichkeiten der Unreal Engine 4 vorführen sollte. Darin verfolgt ein Junge seinen Drachen durch eine aufwendig gestaltete Naturlandschaft. In genau diese Umgebung überträgt Faceware Live die Bewegungen der Schauspielerin, allerdings ohne lange Wartezeit für die Berechnung. Die Kalibrierung des Systems soll sich darauf beschränken, dass der Darsteller kurz eine neutrale Haltung einnimmt. Schlechte Lichtverhältnisse hätten keinen Einfluss auf die Qualität der aufgezeichneten Mimiken.

Faceware soll Spieleentwicklern eine preisgünstige Möglichkeit bieten, Gesichtsanimationen in ihre virtuellen Welten zu übertragen. Darüber hinaus sei auch eine Nutzung in Talk-Sendungen möglich, an denen durch die Technik auch künstlich erstellte Figuren teilnehmen könnten.

Die Technik von Faceware lässt sich jedoch nicht nur in Epics Grafikgerüst Unreal Engine 4 einbinden. Auch der Motionbuilder von Autodesk sowie die weit verbreitete Engine Unity sollen unterstützt werden. Die Software wird von Faceware je nach Version ab 395 US-Dollar angeboten. Passende Helme mit GoPro-Kamera sind ab 2.495 US-Dollar erhältlich. Mit einer Testversion für 30 Tage können sich interessierte Entwickler kostenlos einen Eindruck von Live 2.0 verschaffen. (axk)