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Unterwäsche von Philips überwacht Herzfunktion

Wissenschaftler des Philips[1] Forschungszentrums in Aachen haben ein kabelloses Herz-Kreislauf-Überwachungssystem entwickelt, das sich in Kleidungsstücke wie BHs, Slips oder Taillengürtel integrieren lässt und Risikopatienten mit kardiovaskulären Erkrankungen frühzeitig vor Gefahrensitutionen warnen soll. Im Falle von akuten medizinischen Notfällen baut das so genannte Cardio Online-System zudem automatisch eine Bluetooth-Verbindung zu einem häuslichen Melder oder einem Mobiltelefon auf und alarmiert den ärztlichen Hilfsdienst.

In die textile Unterwäsche eingearbeitete trockene EKG-Elektroden nehmen dabei kontinuierlich elektrische Signale des Herzens auf. Diese werden an ein auf dem Rücken getragenes Überwachungs- und Diagnosemodul weitergeleitet und ähnlich wie bei kardiologischen Untersuchungen zu einem Elektrokardiogramm (EKG) aufbereitet. Kommt es zu Abweichungen von Sollwerten, etwa einer Veränderung des RR-Intervalls, zeichen Digitale Signal Prozessoren (DSP) diese Daten auf und hinterlegen sie in einem integrierten 64 MByte-Speicher. Dadurch sollen Ärzte die Möglichkeit haben, den Verlauf einer Krankheit nach Auslesen des Speichers leichter zurückzuverfolgen und die auftretenden Symptome besser einschätzen zu können. Bei signifikanten Abweichungen baut das System sofort eine Nahfunkverbindung auf und verständigt den Notdienst.

Nach Entfernen des Überwachungs- und Diagnosemoduls, das von wiederaufladbaren Lithium-Ionen-Batterien bis zu drei Monate mit Strom versorgt wird, lässt sich die Unterwäsche mit den integrierten Elektroden ganz normal in der Waschmaschine reinigen. Der Philips-Konzern arbeitet schon seit geraumer Zeit an der Entwicklung von waschbarer Elektronik[2] und präsentierte beispielsweise gemeinsam mit dem Jeans-Produzenten Levi Strauss die erste Multimedia-Jacke mit textilem Bedienfeld für die Steuerung eines MP3-Players. Das Cardio Online-Sytem ist laut Philips als "Produkt im Bereich der persönlichen Gesundheitsversorgung" gedacht und soll in etwa zwei bis vier Jahren auf den Markt kommen, der Preis werde bei "unter 1000 Euro" liegen. (pmz[3])


URL dieses Artikels:
http://www.heise.de/-86561

Links in diesem Artikel:
[1] http://www.philips.com
[2] http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/co/8555/1.html
[3] mailto:pmz@ct.de