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Unzulänglichkeiten bei der IP-Lokalisierung mit gravierenden Folgen

Immer wieder gibt es Orte, die außergewöhnlich häufig als Standorte von IP-Adressen ermittelt werden. Für die Bewohner kann das zum massiven Problem werden.

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Unzulänglichkeiten bei der IP-Lokalisierung mit gravierenden Folgen

Einfach irgendein Ort..

Onlinedienste zur Lokalisierung von IP-Adressen sind beliebte Werkzeuge, um Geräte oder Menschen außerhalb des Internets zu finden, obwohl sie eigentlich gar nicht so genau sind.

Eine US-Journalistin widmet sich seit Jahren Menschen, die auf kuriose, aber deswegen trotzdem nicht wirklich harmlose Art Opfer dieser Unzulänglichkeiten werden. Sie werden monate- oder gar jahrelang von unerwünschten Besuchern terrorisiert, ohne dass sie sich erklären können, was dahintersteckt. Aber zumindest können diese Recherchen wohl am Ende helfen.

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Das Internet ist voll von heißen IT-News und abgestandenem Pr0n. Dazwischen finden sich auch immer wieder Perlen, die zu schade sind für /dev/null.

Zuletzt hat Kashmir Hill auf Gizmodo von einem Fall aus Südafrikas Hauptstadt Pretoria berichtet und dabei die Hintergründe erklärt. Einmal mehr wurden dort Bewohner über Jahre hinweg unerwünscht von Menschen – teilweise in Begleitung von Polizisten – besucht, die ihnen die verschiedensten Vorwürfe gemacht hätten. Erst durch den Kontakt zu Hill fand sich die Erklärung: Die National Geospatial Intelligence Agency (NGA), die unter anderem Weltkarten für die US-Regierung erstellt und dazu Daten veröffentlicht, hatte den Standort "Pretoria" genau im Garten des betroffenen Mannes lokalisiert. In der frei verfügbaren Datenbank von MaxMind waren mehr als eine Million IP-Adressen mit genau diesem Ort verknüpft.

Wenn also jemand eine bestimmte IP-Adresse online zu lokalisieren suchte und die stammte nur grob aus der Region, bestand eine gute Chance, dass sie genau in dem Garten angezeigt wurde – ohne Angabe der Ungenauigkeit. Regelmäßig machten sich deswegen in den vergangenen Jahren Menschen dorthin auf, etwa um ein verlorenes Smartphone wiederzufinden. In einem Fall wurde sogar Anzeige erstattet, weil die IP-Adresse hinter eine Online-Beleidigung dorthin führte. Bei MaxMind seien nur mit 103 anderen Standorten weltweit mehr IP-Adressen verknüpft gewesen. Erst jetzt sei der offizielle Standort Pretorias in den NGA-Datenbanken auf den zentralen Kirchplatz der Stadt gelegt worden.

Hill hatte schon 2016 in zwei Fällen derartige Konsequenzen von Unzulänglichkeiten der IP-Lokalisierung öffentlich gemacht. In einem Fall ging es dabei um ein Haus in Atlanta, in einem zweiten um eine Farm in Kansas. Hier hatte MaxMind den geografischen Mittelpunkt der Vereinigten Staaten von Amerika verortet und immer, wenn eine IP-Adresse nicht mehr über den Standort verraten hatte als "USA", war der zugehörige Pin genau hier angezeigt worden. Erst nach dem Hinweis auf die Belastungen der Bewohner hatte der Dienst die Koordinaten auf einen nahen See verschoben. (mho)

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