Urban Challenge: Stelldichein der Elite-Unis

Die Teams der Elite-Hochschulen Stanford und Carnegie Mellon gehören zu den Hauptkonkurrenten um den Sieg bei der Urban Grand Challenge.

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Von
  • Angela Meyer

35 Teams wettstreiten um den begehrten Sieg bei der Darpa Urban Challenge. Zwei Millionen Dollar Preisgeld winken dem Besten, immerhin noch eine Million und 500.000 Dollar sind die Plätze 2 und 3 wert. Die größten Chancen werden den erfolgreichen Teams des Grand Challenge 2005 eingeräumt. Die Elite-Hochschulen Stanford und Carnegie Mellon belegten damals die ersten drei Plätze, mit kräftiger finanzieller Unterstützung von Industriesponsoren. Mit dem Team Gray, einer Gruppe von Roboterenthusiasten aus New Orleans, kam allerdings ein krasser Außenseiter mit nur wenigen Minuten Rückstand auf den vierten Platz.

Alle Augen sind natürlich auf den Titelverteidiger Stanford Racing Team gerichtet: Team Stanford gewann vor zwei Jahren das Grand Challenge Rennen in Kalifornien mit einem VW Touareg, der rund 160 km Wüstenpisten und unwegsames Gelände in gut sieben Stunden bewältigte. Das siegreiche Roboterauto "Stanley" steht heute im Smithsonian Museum in Washington DC. Zum Urban Challenge tritt das Stanford Racing Team mit einem VW Passat Turbodiesel namens "Junior" an. "Die Aufgabe ist diesmal wesentlich komplexer," erklärt Teamleiter Sebastian Thrun. Der aus Deutschland stammende Informatiker ist Professor in Stanford. "Stanley musste nur nach vorn schauen und Hindernisse erkennen, damit er sie umfahren konnte – egal, ob es ein Felsen oder nur ein Strauch war. Diesmal geht es darum, die Umgebung nach allen Seiten zu erkennen und zu verstehen."

Anstatt eines nur nach vorne gerichteten Straßenradars verfügt Junior über ein rotierendes, 360-Grad-Lidar-System (Light Detection and Ranging) zur Abstandsmessung. Auf Kameras, wie bei Stanley, wurde diesmal verzichtet. Die eingehenden Navigations- und Lidardaten werden in Echtzeit ausgewertet und von der eigens entwickelten KI-Software in Aktionen am Steuer umgesetzt. Junior rechnet mit zwei kommerziellen Intel-Quadcore-Servern. Intel gehört neben Google, VW, Chip-Hersteller NXP und der Venture-Capital-Firma Mohr Davidow zu den Sponsoren des Stanford-Teams.

Bei der Vorauswahl durch die DARPA im Sommer absolvierte Junior drei der vier Prüfungen auf einem Testkurs. Dazu gehören eine 3-Punkt-Wendung und die Passage einer Kreuzung mit Stopstelle, an der mehrere Fahrzeuge ankommen. Obwohl Junior bei einem Überholmanöver versagte, reichte seine Punktzahl insgesamt zur Qualifikation.

Zu den schärfsten Rivalen der Kalifornier gehört zweifellos das Team Tartan Racing von der Carnegie Mellon University in Pittsburgh. Das Robotics Institute der CMU gehört zu den wichtigsten einschlägigen Forschungszentren der Welt, Teamleiter Red Whittaker gilt als Robotikpionier und zieht Forschungsaufträge in Millionenhöhe von Industrie und Militär an. Obwohl mit zwei Fahrzeugen angetreten, musste sich Veteran Whittaker aber beim letzten Wettbewerb dem Stanford-Vehikel geschlagen geben. Dass es ausgerechnet von Sebastian Thrun entwickelt wurde, der zuvor Doktorand an seinem Institut gewesen war, dürfte seine Gefühlslage nicht vereinfacht haben.

Beide Hummer-Geländewagen aus dem letzten Rennen 2005 sind inzwischen eingemottet. Tartan tritt mit einem modifizierten Chevrolet-Tahoe-Geländewagen namens "Boss" an. Der Wagen ist mit sechs verschiedenen Arten von Sensoren bestückt (insgesamt 19 Stück) und rechnet auf 10 Intel-Blade-Computern mit Dual-Core-Prozessoren. Das 45-köpfige Team erhält intensive Unterstützung der Fahrzeugbauer General Motors (GM) und Caterpillar sowie dem deutschen Reifenhersteller Continental. Interessanterweise gehören Intel und Google auch zu den Sponsoren des Stanford-Konkurrenten. Daneben hat die CMU bereits eine Million Dollar Fördergelder von der DARPA zur Rennvorbereitung erhalten. Das Team machte ausgiebig von einem GM-Testzentrum in Arizona Gebrauch und befindet sich seit einem Monat zur Vorbereitung in Kalifornien. "Wer am besten testet, gewinnt den Wettbewerb," brüstet sich Whittaker. Als vermutlich einziges Team hat Tartan zwei identische Vehikel für Testfahrten zur Verfügung, die zusammen über 2000 Meilen autonom gefahren sein sollen. Verschiedene Analyse- und Visualisierungstools wurden eigens für das Projekt entwickelt, um Fehler schneller identifizieren und beheben zu können. (Erich Bonnert) /

Zur Urban Challenge siehe auch:

Zur Bedeutung der Wettbewerbe für die Forschung siehe auch:

Zur ersten und zweiten Grand Challenge 2005 und 2003 siehe auch:

(anm)