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Urheberrechtsdiskussion: Künstler legen nach

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Mit einem Aufruf gegen den Diebstahl von geistigem Eigentum schalten sich mehr als 100 prominente deutsche Künstler in die aktuelle Debatte über das Urheberrecht ein. Sie sind die Erstunterzeichner eines offenen Briefs, dem man sich derzeit anschließen kann. Unter der Überschrift "Wir sind die Urheber!" wird in dem Aufruf das Urheberrecht verteidigt und die Einigkeit zwischen Künstlern und Verwertern hervorgehoben. Die Namen der Unterzeichner sollen ab dem morgigen Freitag veröffentlicht werden.

In dem Aufruf wird das Urheberrecht, ähnlich wie bereits im Rahmen der Kampagne namens "Mein K©pf gehört mir" des Handelsblatts, als historische Errungenschaft bürgerlicher Freiheit bezeichnet. Gerichtet gegen feudale Abhängigkeit garantiere es die materielle Basis für individuelles geistiges Schaffen. Daneben wird auf einen häufig beschriebenen Interessengegensatz zwischen Urhebern und Verwertern eingegangen. Hier beziehen die Künstler eindeutig Position und erklären, einen solchen Gegensatz gebe es nicht. Sie seien zur Vermarktung ihrer Werke auf Verlage, Galerien, Produzenten oder Verwertungsgesellschaften angewiesen.

In dem Aufruf wird erklärt, die Realitäten der Digitalisierung und des Internets seien kein Grund, den Diebstahl von geistigem Eigentum zu rechtfertigen oder gar dessen Legalisierung zu fordern. Stattdessen müsse der Urheberrechtsschutz gestärkt und den einfachen Zugangsbedingungen zu Produkten des geistigen Eigentums angepasst werden. Wie genau eine solche Stärkung und Anpassung aussehen könnte, wird nicht ausgeführt. Das Internet rechtfertige jedenfalls keinen Diebstahl und sei keine Entschuldigung für Geiz und Gier.

Vor allem Autoren stehen hinter dem Aufruf.

Im Gegensatz zur Aktion des Handelsblatts wird dieser Aufruf tatsächlich von den Urhebern selbst getragen. Die Zeit bezeichnet die Aktion als die bislang größte von Schriftstellern und Künstlern gegen den Diebstahl des geistigen Eigentums. Als Erstunterzeichner listet sie viele bekannte Namen auf, darunter Daniel Kehlmann, Roger Willemsen, Charlotte Roche, Sven Regener, Mario Adorf, Elke Heidenreich, Michael Mittermeier, Helmut Dietl, Günter Wallraff, Axel Hacke, Till Lindemann (Rammstein), Frank Schätzing, Manuel Andrack und Alice Schwarzer.

In dem beiliegenden Artikel spitzt die Wochenzeitung die Aussagen der Künstler dann noch weiter zu. Diese zielten angesichts der schwierigen Umsetzbarkeit des Urheberrechts nicht auf diskutierte Modelle wie eine Kulturflatrate oder freiwillige Bezahlsysteme, sondern zeigten sich kompromisslos. Das bestehende Urheberrecht solle gestärkt werden, mit welchen Mitteln auch immer. Was bei denjenigen, die in der Diskussion auf eine Anpassung des Urheberrechts an die neuen Gegebenheiten von Internet und digitaler Welt drängen, gleich die Stichworte "Internetsperren", "Three Strikes", "Websperren" und "ACTA-Geheimverhandlungen" ins Gedächtnis rufen dürfte.

[Update 11.05.2012 8:45]:

Mittlerweile sollen sich dem offenen Brief über 1500 Künstler angeschlossen haben, wie der Verantwortliche für die Site wir-sind-die-urheber,dem Literaturagenten Matthias Landwehr, gegenüber dem Spiegel erklärte. Die Unterzeichnerliste auf der Site selbst führt am Freitagmorgen bereits über 600 Unterzeichner auf, am Donnerstag gab es für den offenen Brief noch 100 Erstunterzeichner. Landwehr betonte gegenüber der FAZ, es schlössen sich dem Brief "in steigender Zahl auch Autoren aus Wissenschaft und Forschung an". Zudem führe die die Liste der Unterzeichner mittleweile nicht nur diie Namen hauptberuflicher Künstler auf, "sondern auch von solchen, die von ihrer Arbeit (noch) nicht leben können".

Siehe dazu auch:

(mho)

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