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"Utility Settlement Coin": Vier Großbanken wollen eigene Kryptowährung entwickeln

Mit der Deutschen Bank, UBS, Santander und BNY Mellon sind gleich vier Großbanken in einem Kryptogeldprojekt an Bord. Der "Utility Settlement Coin" soll den Banken helfen, den Wertpapierhandel schneller und günstiger zu machen.

Bitcoin zwischen Euromünzen

(Bild: dpa, Jens Kalaene/Archiv)

Vier Großbanken wollen gemeinsam mit dem Startup Clearmatics eine Kryptowährung entwickeln, die die Abwicklung von Wertpapierhandel erleichtern soll. Der "Utility Settlement Coin" soll dabei keine neue separate Währung sein, sondern durch Einlagen normaler Währungen wie Euro und US-Dollar bei Zentralbanken gedeckt und direkt tauschbar sein. Mit an Bord des Konsortiums sind die Deutsche Bank, die Schweizer UBS, die spanische Großbank Santander, das US-Geldhaus BNY Mellon und der britische Broker Icap. Die Initiative geht auf die UBS zurück.

Hintergrund ist die bislang noch recht komplexe Transaktionskette, die nötig ist, bis bei einem Wertpapierhandel zum Beispiel eine Aktie komplett in den Besitz des Käufers übertragen ist. Auch wenn der Aktienhandel eigentlich in Sekundenschnelle abläuft, benötigt die vollständige Abwicklung dahinter bislang noch rund zwei Tage, wie ein Sprecher der Deutschen Bank gegenüber heise online erläuterte. Der Prozess läuft dabei meist über sogenannte Clearinghäuser wie etwa Clearstream oder Euroclear ab.

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Vereinfacht gesagt kümmert sich ein Clearinghaus um das Risiko, dass bei einem Geschäft zwischen zwei Parteien nur eine der beiden ihren Teil tut, die Leistung der Gegenseite aber ausbleibt. Ein Clearinghaus setzt sich als Dritter dazwischen: Wenn die vereinbarten Leistungen von beiden Parteien dort eingehen, werden sie dann auch an die Geschäftspartner übertragen. Wenn nur eine Leistung ankommt und das Geschäft platzt, geht diese zurück an den Ursprung.

Die Hoffnung dürfte sein, dass sich solche Prozesse in Form einer programmierten Vereinbarung (Smart Contract) auf der Blockchain des USC automatisieren und damit beschleunigen lassen. Einer viel zitierten Studie der Consultingfirma Oliver Wyman nach liegen die Kosten für das bisherige Clearing- und Settlementsystem weltweit bei rund 65 Milliarden bis 80 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Geld, das sich die Banken sicher gern sparen würden.

Bis es soweit ist, dürfte aber noch einige Zeit ins Land gehen. Das Konzept des Kryptogelds soll erst einmal den Zentralbanken und Regulatoren schmackhaft gemacht werden. Dafür sind rund zwei Jahre eingeplant, ab 2018 könnte der USC dann starten. Laut der Börsenzeitung zeigt sich die britische Zentralbank bereits sehr offen für den Vorschlag, die EZB eher noch reserviert.

Details, etwa wer die Nodes des Settlement Coins betreibt, wie die Abwicklung von Transaktionen in der Chain läuft und wer die Smart Contracts schreiben und prüfen soll, sind noch nicht bekannt. Laut Clearmatics solle es für verschiedene Währungen auch verschiedene Versionen des USC geben.

Als Blockchain wird eine verteilte Datenbank bezeichnet, in der Einträge in chronologisch aufeinander folgenden Datenblöcken festgehalten werden. Durch kryptografische Signaturen ist dabei die Fälschungssicherheit der Einträge garantiert. Das wohl bekannteste Nutzungsszenario ist die Kryptowährung Bitcoin, bei der alle Guthaben und Transaktionen in einer solchen öffentlich einsehbaren Blockchain dokumentiert sind. Die als P2P-System konzipierte Währung soll Banken eigentlich komplett überflüssig machen.

Die Deutsche Bank ist jedenfalls vom Potenzial der Technik überzeugt und verneint einen kurzfristigen Hype. "Gehen Sie davon aus, dass wir es ernst meinen“, sagte der Sprecher des Geldinstituts. Erst kürzlich sah eine Studie des Weltwirtschaftsforums Blockchains als neues "schlagendes Herz" der Finanzwelt. Umfassende Investitionen zahlreicher Großbanken, etwa in das Startup R3, künden zumindest davon, dass es nicht nur die Deutsche Bank ernst meint. (axk)

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