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VATM-Marktstudie: "Deutschland ist DSL-Land"

Weniger Umsätze und Investitionen: Der Telekommunikationsmarkt befindet sich laut einer aktuellen Marktstudie im Sinkflug. Die Konkurrenten fürchten eine Remonopolisierung durch die Telekom.

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Glasfaser-Diaspora: Deutschland ist immer noch DSL-Land

(Bild: dpa, Frank Rumpenhorst)

Der Datenhunger der Deutschen steigt, doch die Provider müssen darben: Die Umsätze der Telekommunikationsbranche sinken in diesem Jahr voraussichtlich um 1,5 Prozent auf 58,8 Milliarden Euro. Dies ergab eine Marktuntersuchung der Unternehmensberatung Dialog Consult hervor, die der Netzbetreiberverband VATM am Mittwoch in Düsseldorf vorgestellt hat.

Hatte die Branche im vergangenen Jahr noch ein knappes Plus erreichen können, ist in diesem Jahr mit einem breiten Abwärtstrend zu rechnen. So sind die Umsätze im Festnetzmarkt von 33 Milliarden Euro auf 32,6 Milliarden Euro gefallen. Im Mobilfunkbereich sanken sie von 26,7 Milliarden Euro auf 26,2 Milliarden Euro. Alleine Kabelnetzbetreiber konnten 0,2 Milliarden Euro Umsatz zulegen, so dass sie auf insgesamt 5,5 Milliarden Euro kommen.

Dem gegenüber stehen steigende Kundenzahlen. Die Zahl der Breitbandverträge im Festnetz steigt in diesem Jahr erneut: Sie nimmt um rund eine Million auf 33,0 Millionen zu. Mit den Bandbreiten stieg auch der Datenhunger: Durchschnittlich werden pro Monat nun 79 Gigabyte pro Anschluss umgesetzt – ein Plus von einem Drittel.

Diese Bandbreiten gelangen meist noch per Kupferkabel zum Kunden. Knapp drei Viertel der Breitbandanschlüsse in Deutschland basieren auf DSL-Technik. Insgesamt 24,6 Millionen Haushalte werden so versorgt. "Deutschland ist DSL-Land", kommentierte Studienautor Torsten Gerpott die Übermacht der DSL-Technik. Nur 7,6 Millionen der Breitband-Anschlüsse laufen über die Koaxialkabel der TV-Kabelanbieter, das sind 23 Prozent.

VATM TK-Marktstudie 2017 (16 Bilder)

Sorgenkind sind weiterhin die Glasfaser-Anschlüsse. Zwar werden bis Ende des Jahres schätzungsweise 3,1 Millionen Haushalte zumindest im Gebäude-Keller einen Glasfaseranschluss liegen haben – ein sattes Plus von einer halben Million Anschlüssen. Doch nur ein Bruchteil der Haushalte nutzt diese Möglichkeit bisher. Tatsächlich in Gebrauch sind diese Anschlüsse bei nur 880.000 Haushalten – ein Marktanteil von gerade einmal 2,4 Prozent.

Die Telekom-Konkurrenten machen unter anderem die jüngste Vectoring-Entscheidung der Bundesnetzagentur für die Entwicklung verantwortlich, mit der Einsatz der Technik am Hauptverteiler ermöglicht wird. Mit dem VDSL-Ausbau stieg auch die Abhängigkeit der Konkurrenten vom Telekom-Netz weiter an. Die Zahl der Anschlüsse, bei denen Konkurrenten die Leitung zum Kunden von der Telekom mieten, stieg von innerhalb eines Jahres von 4,4 Millionen auf 5,8 Millionen. Auf eigener Infrastruktur versorgen die Telekom-Konkurrenten nur 5,6 Millionen Anschlüsse. Die Telekom hat unterdessen 13,2 Millionen Direktkunden für DSL-Anschlüsse.

Dabei steigt auch der Anteil der Umsätze, die die Konkurrenten an den Bonner Marktführer abgeben müssen: Wurden bei dem klassischen DSL-Anschluss im Schnitt noch 60 Prozent des Umsatzes für die Miete der Letzten Meile fällig, sind es beim Bitstrom-Zugang für VDSL-Anschlüsse mit 100MBit/s laut Studie schon 66 Prozent. Allerdings übernimmt der Marktführer hierfür auch größere Teile der Infrastruktur.

VATM-Vorstand Christoph Clément kritisierte die Entwicklung am Mittwoch scharf. "Die Beschränkungen des Wettbewerbs schaden dem Wirtschaftsstandort Deutschland", erklärte Clément, der der Geschäftsführung von Vodafone Deutschland angehört. Für die Zukunft drohte sogar noch eine Verschärfung der Situation. So habe die Bundesregierung im Rahmen der Modernisierung des TK- Rechtsrahmens auf EU-Ebene vorgeschlagen, die Deutschen Telekom aus Regulierungen zu entlassen, die dem ehemaligen Staatsmonopolisten aufgegeben worden waren.

Die Konkurrenten fürchten, dass dies zu einer Remonopolisierung der Breitbandversorgung führen würde. So habe sich die Telekom über den billigen VDSL-Ausbau den Zugang zu den Endkunden gesichert. Investitionen in Parallelnetze würden sich für die Konkurrenten oft nicht lohnen. Gleichzeitig befürchten die Konkurrenten, dass der Bonner Marktführer die Miete für die Bitstrom-Zugänge hochschrauben könnte. Zwar sei eine Rückführung der Regulierung laut Clément denkbar, die Bundesnetzagentur müsse aber weiterhin die Position eines starken Schiedsrichters haben.

Den sinkenden Umsätzen folgen auch die Investitionen: Laut Berechnungen von Dialog Consult werden in diesem Jahr insgesamt 7,9 Milliarden Euro in die Telekommunikationsnetze investiert – im Vorjahr waren es noch 8,2 Milliarden. Hier widersprechen die Zahlen des Verbandes aber Veröffentlichungen der Telekom. Die will nach eigenen Angaben in diesem Jahr 5 Milliarden Euro in die eigenen Netze stecken. Dialog Consult kam nach einer Hochrechnung aus den bisherigen Quartalsberichten jedoch auf eine Milliarde Euro weniger. (Torsten Kleinz) / (vbr)

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