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VATM: Sinkende Umsätze, wenig Glasfaser

Die Telekommunikationsbranche muss sich mit sinkenden Umsätzen arrangieren – wieder einmal hat der Verband der Telekom-Konkurrenten VATM schrumpfende Marktzahlen vorgestellt. Gewinner sind Kabel-Anbieter und die Deutsche Telekom.

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Trotz steigender Nachfrage für Breitbandanschlüsse müssen sich die Unternehmen der Telekommunikationsbranche einen immer kleineren Kuchen teilen. Laut der Marktstudie, die der Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM) heute in Düsseldorf vorstellte, sinken die Umsätze der Branche in diesem Jahr nochmals um 1,2 Prozent auf 58,3 Milliarden Euro. Die in dem Verband organisierten Anbieter warnen aber davor, ihrem Konkurrenten Deutsche Telekom Wettbewerbsregulierungen zu erlassen.

Die Telekom behält ihre dominante Stellung.

(Bild: VATM)

Sinkende Preise und der Wegfall von Märkten wie Roaming und SMS sorgen dafür, dass die Unternehmen im Schnitt weniger Einnahmen pro Kunde generieren. Allein in diesem Jahr sieht Dialog Consult im Festnetzbereich einen Rückgang um 2,1 Prozent auf 28,4 Milliarden Euro, im Mobilfunk um 1,6 Prozent auf 24,8 Milliarden Euro. Die Kundenzahlen bewegen sich hingegen aufwärts: So verzeichnet die Studie in diesem Jahr 700.000 neue Breitbandanschlüsse. Insgesamt sollen es zum Jahresende 29,4 Millionen Haushalte mit Download-Geschwindigkeiten über 2 MBit pro Sekunde angebunden sein.

Die Zahl der aktiven SIM-Karten steigt um 2,3 Millionen auf 117,5 Millionen. Davon landen allerdings 6 Prozent nie in Handies und Smartphones, sondern werden in Industrieanlagen oder Anwendungen wie dem automatisiertem Autonotruf integriert.

Die sinkenden Umsätze sind mittlerweile ein gewohntes Bild. Die von der Unternehmensberatung Dialog Consult erstellte Studie weist seit zehn Jahren eine konstante Schrumpfung aus. 2005 betrugen die die Umsätze der Branche noch 68,8 Milliarden Euro. Nur die Kabelanbieter können ihre Umsätze stetig steigern, allerdings weiterhin auf geringem Niveau. Sie setzen laut Studie in diesem Jahr 5,1 Milliarden Euro um.

Zwar wünschen sich die im VATM organisierten Telekom-Konkurrenten von dem Staat mehr Investitionsförderung und weniger Vorschriften, doch den ehemaligen Monopolisten wollen sie keinesfalls aus der Wettbewerbsregulierung entlassen: „Trotz des Wettbewerbsniveaus hat die Telekom Deutschland nach wie vor eine dominante Stellung.", erklärte der VATM-Präsident Martin Witt in der Düsseldorfer Vodafone-Zentrale. "Selbst in den Ballungszentren mit hohem Wettbewerberanteil ist der Wettbewerb regulierungsgetrieben. Schaffen wir – wie von der Telekom gewünscht – die Regulierung hier ab, schaffen wir auch den Wettbewerb ab“, warnte Witt.

Trotz sinkender Zahlen direkter DSL-Kunden – von 2005 haben sich die 25,6 Millionen Festnetzverträge der Telekom auf 13,4 Millionen fast halbiert -- ist der Konzern immer noch gut im Festnetzgeschäft. So verweist der VATM in der Studie darauf, dass der Konzern immer noch 98 Prozent der über 25 Millionen Anschlussleitungen zum Kunden besitzt. 47 Prozent der Anschlussleitungen werden aber nicht von der Telekom vermarktet, sondern von der Konkurrenz, die sich Vorleistungen bei der Telekom einkauft.

Laut Schätzung des VATM stieg der Anteil der Anteil der Telekom an den Festnetzumsätzen der Konkurrenten auf 25,4 Prozent. Hier widersprach Torsten Gerpott, der die Marktstudie erstellt hatte, dem EU-Kommissar für digitale Wirtschaft Günther Oettinger. Dieser hatte vergangene Woche gegenüber dem Handelsblatt betont, dass die europäischen Telekommunikationsunternehmen wie die Telekom zu ertragsschwach seien und man ihnen über eine Liberalisierung "faire Gewinne" ermöglichen müsse. Gerpott betonte jedoch: "Das Geschäft ist für die Telekom sehr profitabel, weshalb sie es auch derzeit auszubauen versucht."

Nicht gerade überwältigend: Die Nachfrage nach Glasfaser.

(Bild: VATM)

Trotz stark steigender Investitionen von mittlerweile 6,9 Milliarden Euro pro Jahr verbreiten sich Glasfaser-Anschlüsse nur sehr langsam. Ein Grund ist die mangelnde Nachfrage: Zwar können mittlerweile fast 1,6 Millionen Haushalte direkt mit einer Fiber-to-the-Building-Leitung (FTTB) erreicht werden, doch nur 385.000 Haushalte nutzen diese Möglichkeit tatsächlich. Mit Milliardenaufwand Haushalte trotz noch geringer Nachfrage mit Glasfaser-Anschlüssen auszustatten, hält Gerpott für "ökonomischen Selbstmord".

Die von der Telekom präferierte Vectoring-Technik, bei der nur die Kabelverzweiger per Glasfaser angebunden, die Haushalte aber immer noch per Kupferleitung angebunden werden, sieht Dialog Consult als vernünftige Entwicklung: "Da die Infrastruktur schon vorhanden ist, ist das eine sinnvolle Lösung", sagte Gerpott. Langfristig sei es aber nur eine "Brückentechnologie". (axk)