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VDE: Internet-TV schon in zwei Jahren

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Nach Schätzungen des Verbandes der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (VDE) werden schon in drei Jahren 40 Prozent der Fernsehzuschauer ihr Programm über das Internet empfangen. Um dies zu ermöglichen, arbeitet Prof. Dr. Hans-Georg Musmann von der Universität Hannover derzeit an einem Datenkompressionsverfahren für Videoübertragungen, das hochauflösende Fernsehbilder bei einer Datenrate von 2 MBit/s ermöglichen soll; derzeit werden noch 4 MBit/s benötigt. In Verbindung mit der XDSL-Übertragungstechnik sollen sich damit Fernsehsendungen bereits in zwei Jahren über das Internet übertragen lassen.

Durch diese Technik werde es zu einem riesigen Anwachsen des Angebots an verschiedensten Fernsehprogrammen kommen. Das Sendemonopol der Fernsehstationen würde fallen, jedes Opernhaus oder jeder Sportverein könnte seine eigenen Programme senden, so die Vision von Musmann.

Allerdings lassen sich schon heute Videos bequem über das Internet übertragen. Der Übertragungsstandard werde jedoch von wenigen Firmen in den USA bestimmt, die die Entwicklung insgesamt behinderten, sagte Musmann. "Was wir brauchen, ist ein offener Standard für Videoübertragungen im Internet", forderte er auf einer Pressekonferenz des VDE am Donnerstag in Hannover.

Der VDE-Vorsitzende Gerd Tenzer, Mitglied im Vorstand der Deutschen Telekom, geht allerdings nicht davon aus, dass das Internet-Fernsehen über DSL-Technik das normale Fernsehen verdrängen wird: "Fernsehen über DSL-Leitungen wird nur für Pay-per-View nutzbar sein. Die Übertragungstechnik ist mit den herkömmlichen Koax-Kabeln nicht vergleichbar," erläuterte Tenzer auf der VDE-Veranstaltung.

Für das terrestrische Fernsehen forderte Musmann eine wirtschaftlichere Nutzung: Derzeit belegen drei bis fünf Fersehprogramme eine Bandbreite von 400 MHz, aber nur 8 Prozent der Fernsehzuschauer empfangen ihr Programm über die Hausantenne. Für das digitale terrestrische Fernsehen, mit dem sich vier mal mehr Programme übertragen lassen, forderte Musmann deswegen eine Halbierung des Bandbreitenbereichs auf 200 MHz; damit ließen sich immer noch doppelt so viele Programme übertragen wie bisher. Die gewonnenen 200 MHz ließen sich dann für andere Dienste wirtschaftlich nutzen. Die 100 Milliarden Mark teuren UMTS-Lizenzen belegen zum Beispiel eine Bandbreite von nur 250 MHz. (hag)