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VDSL-Start der Telekom möglicherweise mit angezogener Handbremse

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Nach einem Bericht der Financial Times Deutschland (FTD) will die Telekom die Möglichkeiten des neuen VDSL2-Netzes zunächst nicht voll ausschöpfen. Danach sollen VDSL2-Kunden statt der ursprünglich in Aussicht gestellten 50 MBit/s nur eine Übertragungskapazität von bis zu 25 MBit/s erhalten. Ein Telekomsprecher wollte sich dem Blatt gegenüber dazu nicht äußern, die Produkte sollen zu einem späteren Zeitpunkt vorgestellt werden.

Das VDSL2-Hybridnetz soll inzwischen in zwölf Städten betriebsbereit sein und dort etwa die Hälfte der Haushalte erreichen. Bei einem solchen Netz wird die Kupferstrecke der Teilnehmeranschlussleitung (TAL) zum Kunden verkürzt. Die Daten werden von der Vermittlungsstelle (VST) über Glasfasern zu den neu aufgebauten "Outdoor DSLAMs" geleitet, die die bisherigen Kabelverzweiger ersetzen. Die DSLAMs setzen das Signal von der Glasfaser auf Kupferdoppeladern um, die zu den Kunden führen.

Durch die Verkürzung der TAL auf wenige hundert Meter und die daraus resultierende Reduzierung der Störfaktoren kann am Anschluss eine weit höhere Bandbreite erreicht werden als etwa mit ADSL-Technik, die mit ungekürzten Kupferleitungen auskommen muss. Die Spezifikation sieht bis zu 200 MBit/s vor; freilich nur auf besonders kurzen und guten Leitungen, die sehr selten sind. Bei Leitungslängen unter 900 Meter sind Raten von 50 MBit/s und mehr durchaus realistisch, nicht aber bei längeren Leitungen.

Möglich ist daher, dass die Telekom nur solchen Kunden 25 MBit/s anbieten will, deren Leitungen länger als 900 Meter sind; laut Spezifikation sind bei rund 1,7 km Länge noch 25 MBit/s möglich. Aber selbst bei einer Drosselung auf 25 MBit/s wären die VDSL-Anschlüsse noch deutlich schneller als die meisten Anschlüsse auf Basis von ADSL2+, das nur im Idealfall bis zu 25 MBit/s liefert. Die weitaus meisten ADSL2+-Provider versprechen nicht mehr als 16 MBit/s.

Um das VDSL2-Projekt der Telekom gibt es heftigen Streit in der Branche. Die Telekom hatte sich bei der Bundesregierung für eine Ausnahme des VDSL2-Netzes von der Regulierung durch die Bundesnetzagentur stark gemacht und sogar durchgesetzt, dass dies im Entwurf des neuen Telekommunikationsgesetzes (TKG) verankert wird. Das Unternehmen argumentiert, VDSL2 erschließe einen neuen Markt und sollte daher aus Gründen des Investitionsschutzes Regulierungsferien genießen. Die Forderung des Ex-Monopolisten sorgte für heftige Reaktionen in der Branche. Die Telekom-Konkurrenten hatten stets argumentiert, die Telekom plane keine innovativen Dienste, die sich nicht auch über ADSL2+ realisieren ließen, eine Ausnahme von der Regulierung sei daher nicht gerechtfertigt.

Auch aus Brüssel gab es deutliche Kritik an den Plänen der Telekom. Ein zur Schlichtung des Streits für den heutigen Donnerstag anberaumtes Spitzentreffen von EU-Kommissarin Viviane Reding und Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) hat nach Angaben der Nachrichtenagentur Dow Jones Newswire keine Annäherung ergeben. Die EU-Kommissarin setze jetzt auf die Vernunft des deutschen Gesetzbegebers, in dessen Händen das Verfahren jetzt liegt, andernfalls sei ein Vertragsverletzungsverfahren unvermeidlich.

Zur Auseinandersetzung um die Telekommunikationsregulierung und das geplante VDSL-Netz der Deutschen Telekom siehe auch: