VDSL-Vectoring: Erste Line-Cards für Turbo-VDSL im Einsatz

Die Vectoring-Spezifikation verdoppelt die Datenrate, die auf Kupferdoppeladern per VDSL zu erreichen ist auf 100 MBit/s. Nun sind erste Netzwerkelemente an einen nicht näher genannten "großen Netzbetreiber" ausgeliefert worden.

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Die Netzwerkausrüster Lantiq und Keymile, ein in Hannover ansässiges Unternehmen, berichten, dass sie erstmals eine größere Menge an Line-Cards an einen nicht genannten "großen Netzbetreiber" ausgeliefert haben, die für den nächsten DSL-Turbo ausgelegt sind, das VDSL-Vectoring. Line-Cards kommen auf der Netzbetreiberseite in DSLAMs zum Einsatz, die Vectoring-Varianten senken die Übersprechstörungen der einzelnen Kupferdoppeladern eines Kabelbündels. Als Hauptvorteil wird dabei angesehen, dass so die Datenrate gegenüber herkömmlichen VDSL-Anschlüssen zunimmt. Herkömmliches VDSL erreicht in Deutschland in der Praxis bis zu 50 MBit/s in Downlink-Richtung. Mit Vectoring können Netzbetreiber die Rate verdoppeln und damit den Abstand etwa zu Kabelmodemanschlüssen verkürzen (die liefern derzeit bis zu 150 MBit/s).

Ein Teil der VDSL-Linecards, den Lantiq und Keymile ausgeliefert haben, befindet sich bereits im Feldtest. Der Netzbetreiber plant, seinen Kunden Vectoring-basierte Breitbanddienste ab Ende 2013 anzubieten. Die Vectoring-Technik der beiden Partner gründet auf Netzbetreiberelementen von Lantiq (Vinax IVE1000 central office equipment). Die Line-Card, die dann im DSLAM arbeitet, steuert Keymile bei. Sie verwaltet bis zu 192 Kanäle und soll laut den Anbietern weltweit die erste im Feldtest eingesetzte sein. Lantiq und Keymile reklamieren sie als einen "kostengünstigen und hinsichtlich der Stromaufnahme genügsamen System-on-Chip-Ansatz" (SoC).

Vectoring erhöht nicht nur die Datenrate, sondern auch die Reichweite. Gegenüber VDSL nimmt die Distanz, über die 50 MBit/s zu erzielen sind von 250 auf rund 600 Meter zu. Auch das könnte Telekom-Wettbewerbern das Leben erschweren.

Noch gibt es in Deutschland keine Provider, die VDSL-Vectoring-Anschlüsse anbieten; die Vectoring-Spezifikation ist erst eineinhalb Jahre alt: und weil sie mit Abstand dann am besten funktioniert, wenn ein Betreiber alle Leitungen eines Kabelverzweigers kontrolliert, kollidierte sie zunächst mit den Richtlinien der Bundesnetzagentur, nach denen jeder Netzbetreiber einen diskriminierungsfreien Zugang zum Kabelverzweiger (Kvz) haben sollte. Die Bundesnetzagentur hat aber nach einigen Diskussionen und Widersprüchen schon mal die Regulierungsweichen neu gestellt. Deshalb befürchten Branchenvertreter eine "Re-Monopolisierung" des Festnetzes seitens der Telekom. In ihrem im Juli nachgebesserten Regulierungsentwurf ging die Bundesnetzagentur wenigstens auf die größten Nöte der Telekom-Wettbewerber ein.

Wenig im Gespräch ist noch eine weitere, eigentlich günstige Vectoring-Eigenschaft: Die Technik erhöht nicht nur die maximale Datenrate, sondern auch die Reichweite. Beispielsweise nimmt die Distanz zu, über die noch 50 MBit/s zu erzielen sind. Mit VDSL ist bei rund 250 Metern Schluss, Vectoring schafft das auch über 600 Meter hinweg. Ein Netzbetreiber kann per Vectoring also Kunden anschließen, die zuvor über die Kupferdoppelader nur per ADSL2+ angebunden werden konnten. Das könnte Mitbewerbern, die nur ADSL2+-Anschlüsse im Programm haben, ebenso das Wasser abgraben, wie die mit Beginn der Vectoring-Nutzung sicherlich sinkende Zahl der frei zugänglichen Kvz.

Inzwischen verdichten sich die Anzeichen, dass die Telekom Vectoring in der nächsten Zeit anbieten könnte; ob mit Keymile-Technik ist dabei die Frage. Der Boden ist aber bereitet: Mit der Fritz!Box 7490 kam erst vor wenigen Wochen ein erster Router für Teilnehmer in den Handel, der sich für das Turbo-VDSL eignet. (dz)