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VW-Chef Müller beklagt "Kampagne" gegen Dieselmotor

Die Diesel-Abgasaffäre hat deutsche Autobauer in Misskredit gebracht - die folgende Diskussion empfindet VW-Chef Matthias Müller als einseitig. Er verteidigt den Diesel-Antrieb - sieht aber viele Herausforderung für die Zukunft der Autobranche.

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Volkswagen-Konzernchef Matthias Müller sieht in der Diskussion um Fahrverbote und den Schadstoffausstoß von Dieselfahrzeugen eine Kampagne. "Die gegen den Dieselmotor laufende Kampagne ist heftig, der Marktanteil des Diesels rückläufig", sagte der VW-Vorstandschef der Neuen Zürcher Zeitung. "Doch man tut dem Diesel unrecht. Ich plädiere für eine sachliche, ausgewogene Diskussion." Die neuesten Diesel-Generationen seien "sehr gut", vor allem beim Ausstoß des klimaschädlichen Kohlendioxid-Gases.

Seit Monaten suchen deutsche Großstädte nach Lösungen, wie sie die Schadstoffbelastung mit den gesundheitsgefährdenden Stickoxiden auf ihren Straßen reduzieren können. In Stuttgart und München drohen insbesondere älteren Diesel-Autos Fahrverbote. In Europa müssen die Autobauer den CO2-Ausstoß ihrer Fahrzeugflotten in den kommenden Jahren deutlich senken. Ansonsten drohen ihnen wegen EU-Regeln deutliche Strafen.

"Die Realisierung wird sehr hart", sagte Müller. Die Dieselmotoren verbrauchen pro gefahrenem Kilometer tendenziell weniger Kraftstoff und stoßen daher auch weniger CO2 aus – so sollen sie bei der Reduktion der Flottenemissionen helfen. Allerdings geht der Trend auch bei Dieselfahrzeugen zu größeren, schwereren Autos mit immer mehr Pferdestärken und dementsprechend höherem Verbrauch.

Volkswagen hatte mit seiner Diesel-Abgasaffäre 2015 eine Diskussion um den Stickoxid-Ausstoß von Diesel-Motoren losgetreten. In den USA gab der Autobauer zu, mit Software-Tricks Abgastests ausgehebelt und manipuliert zu haben. Der Skandal kostete den Konzern Dutzende Milliarden Euro. Auch in Europa müssen 8,5 Millionen Fahrzeuge umgerüstet werden, weil sie unzulässige Software enthalten.

Zahlreiche andere Autobauer sind wie Volkswagen ebenfalls in der Kritik, mit Software geschummelt zu haben und mit ihren Autos auf der Straße deutlich mehr auszustoßen als bei den Tests.

Die Autobranche sieht ihre Zukunft in den kommenden Jahren vor allem bei Elektroantrieben, die den Schadstoffausstoß deutlich senken könnten. Allerdings ist der bisherige Verkaufserfolg trotz Subvention durch die E-Auto-Kaufprämie bescheiden.

"Die wahren Probleme liegen nicht im Preis der Autos, sondern in der Reichweite, der Infrastruktur und der Ladezeit", sagte Müller. Gemeinsam mit den anderen deutschen Autobauern Daimler und BMW bemühe er sich, die Politik für das Thema zu sensibilisieren. Wenn die Probleme in der kommenden Auto-Generation besser gelöst seien, dürften die Käufer auch ihre Scheu vor dem E-Auto verlieren.

Das E-Auto-Zeitalter dürfte nach Müllers Ansicht die Industrie deutlich umwälzen. "Tatsächlich wird der Wertschöpfungsanteil eines E-Autos der nächsten Generation wesentlich unter demjenigen heutiger Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor liegen. Das hat Auswirkungen, etwa auf die künftige Standortbelegung", sagte der VW-Chef.

Auch die Automatisierung mithilfe von Robotern verringere die Wertschöpfung in der Produktion. "Es entstehen aber auch neue Arbeitsgebiete, etwa rund um die Digitalisierung von Fahrzeugen und Services, oder auch um das Thema Batterie."

Chronologie des Abgas-Skandals (59 Bilder)

Mitte September 2015:  Die US-Umweltschutzbehörde EPA beschuldigt den Volkswagen-Konzern, Diesel-PKWs der Baujahre 2009 bis 2015 mit einer Software ausgestattet zu haben, die die Prüfungen auf US-amerikanische Umweltbestimmungen austrickst. Zu ähnlichen Untersuchungsergebnissen ist auch das California Air Resources Board (CARB) gekommen. Beide Behörden schicken Beschwerden an VW. (Im Bild: Zentrale der EPA in Washington D.C.)
(Bild: EPA
)

(jk)

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