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VZ-Netzwerke unterziehen sich Radikalkur

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Die VZ-Netzwerke wollen mit einem neuen Gesamtkonzept dem Mitgliederschwund entgegenwirken. Dazu zählt ein Redesign der drei Netzwerke StudiVZ, SchuelerVZ (künftig in Grünblau statt Pink) und FreundeVZ (bislang MeinVZ), das noch diese Woche online gehen soll. Dies stellt aber nur einen Baustein der Strategie dar, erklärte VZ-Chef Clemens Riedl im Gespräch mit heise online.

Die VZ-Netzwerke, seit 2007 im Besitz der Verlagsgruppe Holtzbrinck, wechseln mit dem Redesign auch ihre technische Plattform. Statt einer Eigenentwicklung kommt nun eine browserbasierte Anwendung auf Basis des Google Web Toolkit zum Einsatz. Mitglieder werden das unter anderem in Form von Echtzeit-Benachrichtungen zu spüren bekommen, für die Entwickler erleichtert die Umstellung auf Google- und Open-Source-Software die Implementierung neuer Funktionen.

Das neue Layout der Netzwerke ist dreispaltig und ähnelt in seiner Struktur Google+ und Facebook: Links die Navigation, in der Mitte die Inhalte, rechts kontextsensitiv vorgeschlagene Personen oder Themen. Unten befindet sich eine Chatleiste, neben dem Austausch von Textnachrichten wird nun auch Videotelefonie unterstützt. Dafür sollen anders als bei der Konkurrenz keine zusätzlichen Plugins notwendig sein.

Startseite des neuen FreundeVZ

Riedl betont, dass die rechte Spalte anders als bei Facebook völlig werbefrei ist und der Vernetzung und Interaktion dient. Anders als die internationalen Netzwerke gibt es bei den VZ-Netzwerken allerdings weiterhin großformatige Flash-Werbemittel über und neben den Inhalten ("Wallpaper") – laut Riedl in Deutschland ein gebräuchliches Format. Neben dieser Display-Werbung will Riedl auch mit "social campaigning" (gesponserte Themenseiten und Ähnliches) und dem Verkauf virtueller Güter in Spielen Geld verdienen. Im Geschäftsjahr 2011 sollen die VZ-Netzwerke, für die Holtzbrinck 2007 knapp 90 Millionen Euro bezahlte, erstmals profitabel sein.

Diskutiert wird künftig themenbezogen, die bisherige Gruppenstruktur wird aufgelöst. In den drei Netzwerken gibt es künftig verschiedene Funktionen, die auf die jeweiligen Zielgruppen zugeschnitten sind: Im SchuelerVZ das virtuelle Klassenzimmer, im StudiVZ die Lehrveranstaltungen und im FreundeVZ die Gestaltung des Nachtlebens. Beim FreundeVZ ändert sich auch die Zielgruppe: War das Netzwerk bislang für ehemalige Studenten und Berufstätige gedacht, richtet es sich nun wie StudiVZ an 18- bis 29-Jährige. Riedl erklärte, vor allem junge Leute hätten ein großes Bedürfnis danach, sich in sozialen Netzwerken selbst zu präsentieren und auszudrücken. Die VZ-Netzwerke mit ihrem großen Schwerpunkt auf die eigene Profilseite kämen diesem Geltungsdrang entgegen, für ältere Menschen sei das Konzept weniger attraktiv.

Auf der VZ-Profilseite sollen auch Aktivitäten der Mitglieder an anderen Stellen des Internets sichtbar gemacht werden. Eine Schnittstelle zu Twitter gibt es heute schon, über eine Integration des Facebook-Streams wird intern diskutiert. Dies, aber auch viele andere Entscheidungen zur weiteren Gestaltung der Netzwerke sollen verstärkt in die Hand der Community gelegt werden, Mitglieder über Neuerungen abstimmen und eigene Wünsche zum Ausdruck bringen können – bei entsprechender Nachfrage wollen die VZ-Netzwerke mit Anpassungen reagieren.

Das Redesign der VZ-Netzwerke soll noch in dieser Woche online gehen, die neuen Seiten sind allerdings als "Testversion" deklariert. Für die nächsten sechs bis neun Monate sollen alte und neue Netzwerke parallel zueinander betrieben werden, Nutzer können währenddessen beliebig zwischen den Versionen hin und her wechseln. Mit der Überarbeitung seien die VZ-Netzwerke nun wieder konkurrenzfähig, erklärte VZ-Chef Riedl gegenüber heise online. Es gehe aber nicht um einen Angriff auf den neuen Platzhirsch Facebook: "Zunächst einmal geht es darum, den Verfall der Userbase zu stoppen. Für die Zugewinnung neuer Leute haben wir weder die Zeit noch das Angebot."

Die VZ-Netzwerke haben zwar 16,2 Millionen Mitglieder, 9,8 Millionen Nutzer suchen die Netzwerke gemäß AGOF wenigstens einmal monatlich auf. Die Reichweite und damit auch die Aktivität in den Netzwerken hat sich zuletzt aber rapide verringert: Kamen die VZ-Netzwerke laut IVW im August 2010 noch auf 408 Millionen Besuche und 11,6 Milliarden Seitenaufrufe, waren es ein Jahr später nur noch 129 Millionen Besuche bei 2,3 Milliarden Seitenaufrufen. (jh)