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Vampyr angespielt: Einmal beißen, bitte!

Im Action-Rollenspiel Vampyr dürfen sich die Spieler als Vampir in London austoben. So viel Spaß hat Blutsaugen seit Vampire: Die Maskerade nicht mehr gemacht.

Vampyr angespielt: Einmal Beißen, bitte!

(Bild: Focus Home Interactive)

Sie können auch anders. Die französischen Entwickler von Dontnod legen nach dem schwermütigen Teenie-Drama Life is Strange mit einem aufwändigen Actionrollenspiel nach. In Vampyr erwacht der Spieler als Arzt aus dem Totenschlaf und muss sich einer schrecklichen Tatsache stellen: Er ist ein Vampir. Das ist aber nicht sein einziges Problem, denn plötzlich wütet eine geheimnisvolle Epidemie in London, Monster durchstreifen die nächtliche Metropole. Unser neugeborener Vampir muss sich nun entscheiden: Hilft er den Menschen beim Kampf gegen das Böse oder saugt er ihnen das Blut aus, um sich zum mächtigsten Vampir Englands aufzuschwingen?

Auf den ersten Blick ist Vampyr ein typisches Action-Rollenspiel im Stil von Dishonored oder The Witcher: Aufträge erledigen, kämpfen, hochleveln. In den ersten Stunden des Spiels schleichen wir uns durch die dunklen Gassen Londons, legen uns mit einem meuchelnden Mob an und kämpfen gegen einen Werwolf. Das flotte Kampfsystem ist simpel und setzt auf eine Mischung aus Fern- oder Nahkampfwaffen. Mit speziellen Vampirfähigkeiten können wir das Opfer hypnotisieren oder betäuben. Praktisch: Unser Vampir kann sich mit seinem Blut selbst heilen.

Während des Abenteuers entpuppt sich der Blutsauger als wahrer Tausendsassa. In seiner Haut können wir im Kampf nicht nur blitzschnell von einem Ort zum anderen gleiten, sondern auch wie Sherlock Holmes Tatorte analysieren oder am Arbeitstisch Seren herstellen und an Waffen basteln. Tagsüber zieht sich unser Vampir in einen sicheren Unterschlupf zurück, denn Sonnenlicht ist für ihn tödlich.

Das Besondere an diesem Spiel sind die weitreichenden Entscheidungen. Wir haben uns gleich zu Anfang für die gute Seite entschieden und entwickeln in einem Krankenhaus Heilungsmethoden für die Infizierten. Dennoch stehen wir immer wieder vor dem Dilemma, ob wir jetzt mal schnell einem Menschen das Blut aussaugen. Verzichten wir darauf, werden der Spielfortschritt und die Entwicklungsmöglichkeiten erheblich verlangsamt. Ganz zu schweigen von den unterschiedlichen Spieloptionen, denn das Verhältnis zu den Stadtbewohnern kann für die Handlung entscheidend sein. Wie schon in Life is Strange beweisen die Macher ihr Talent bei der Charakterdarstellung, denn jede dieser Figuren hat ein persönliches Schicksal und zahlreiche Probleme.

Visuell zeigt das Spiel ein deprimierendes Bild Londons Anfang des 20. Jahrhunderts: Überall Müll, Ratten. Die ständigen Hinweise auf den Ersten Weltkrieg skizzieren fast schon ein Endzeitszenario, in der sich die Überlebenden mühsam durch die Welt schleppen. Viele Licht- und Schatteneffekte sorgen für eine gruselige Atmosphäre, die gut zur düsteren Geschichte passt. Leider gibt es nur einen Autosave-Slot.

Eine spannende Story, das düstere Szenario und zahlreiche weitreichende Spielentscheidungen versprechen spannende Stunden in den dunklen Gassen Londons. Wer will, kann sich in Vampyr auch in das emotionale Schicksal der zahlreichen Nebenfiguren vertiefen. Dieser Mix macht aus Vampyr eine runde Sache: motivierend, tiefgründig und originell. Seit dem Klassiker Vampire: Die Maskerade war Blutsaugen nicht unterhaltsamer.

Vampyr ist am 05. Juni für Windows (ab 34,95 €), PS4 (ab 35,95 €), Xbox One (ab 39,95 €) erschienen und kostet zwischen 40 und 60 Euro. USK ab 16. Für unser Angespielt haben wir ein paar Stunden die Windows-Version gespielt. (Andreas Müller) / (dahe)

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