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Verband Breko warnt: Breitbandziel der Bundesregierung wird verfehlt

Der Bundesverband Breitbandkommunikation kommt in einer neuen Marktstudie zu dem Ergebnis, dass sich die anvisierten 50 MBit/s für alle Haushalte bis 2018 "unter den aktuellen Bedingungen" nicht erreichen lassen.

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Glasfaser

Der Bundesverband Breitbandkommunikation (Breko) glaubt nicht, dass die Bundesregierung ihr Ziel erreichen wird, bis 2018 flächendeckend alle Haushalte mit Internetanschlüssen mit mindestens 50 MBit/s zu versorgen. Unter den aktuellen Rahmenbedingungen könnten bestenfalls 85 Prozent aller Heime so versorgt werden, erklärte Nico Grove, Mitglied des Breko-Beirats zur Vorstellung der Breitbandstudie 2016 am Montag. Schuld daran hätten Fehlplanungen beim Ausbau der vergangenen Jahre und falsche Regulierungsauflagen.

Die Breitbandstudie beruht auf Daten von rund 90 Prozent der Breko-Mitglieder, die einen Großteil der deutschen Festnetzwettbewerber der Deutschen Telekom umfassen. Dazu gehören Firmen von 1&1 Versatel über EWE Tel bis hin zu zahlreichen Stadt- und Versorgungswerken.

(Bild: Bundesverband Breitbandkommunikation)

Grove betonte, dass zu lange "ein starker Doppelausbau vor allem in Gebieten mit paralleler Breitbandkabel-Infrastruktur stattgefunden hat". Dafür habe vor allem die Telekom gesorgt. So seien allein 2015 mehr als 70 Prozent aller Investitionen auf diesem Gebiet nicht auf das Breitbandziel der Bundesregierung "eingezahlt" worden, sondern in den "Überbau" bereits vorhandener Breitbandnetze mit mindestens 30 MBit/s geflossen. Ende 2015 habe eine Breitbandverfügbarkeit von über 50 MBit/s im Bundesdurchschnitt erst bei 69,8 Prozent gelegen.

Das Phänomen werde sich verstärken, meint Grove. Dies liege an der von der Bundesnetzagentur jüngst abgesegneten Entscheidung für den weiteren Einsatz des VDSL-Turbos Vectoring, die den Ausbau in unterversorgten Gebieten sogar verlangsamen werde. Die Technik dürfe schließlich nur in bereits größtenteils gut erschlossenen Nahbereichen eingesetzt werden. Dies sei "regulatorisch angeordneter Überbau".

Der Verband appellierte an die Politik, die Weichen neu zu stellen, um einen investitionsfördernden Rahmen für einen zukunftssicheren Glasfaserausbau zu schaffen. Es brauche ein klares Infrastrukturziel zum Ausbau mit direkten Glasfaseranschlüssen zum Gebäude oder bis zur Wohnung (FTTB beziehungsweise FTTH), auf das sich die Bundesnetzagentur ausrichten müsse. Kooperation und ein offener Zugang auch für Wettbewerber seien zudem nötig, um die Mehrfachversorgung von Gebieten zu verhindern. Gemeinsam mit anderen Verbänden hat der Breko bereits einen Masterplan für den Glasfaserausbau ins Spiel gebracht.

Die Konkurrenz der Telekom hat laut Studie im vergangenen Jahr insgesamt 4,2 Milliarden Euro in den deutschen Telekommunikationsmarkt investiert, das macht 53 Prozent des Marktes. Der Umsatz der vertretenen Netzbetreiber sei um drei Prozent auf acht Milliarden Euro nach oben geklettert, die durchschnittlichen Investitionsquoten lägen deutlich höher als bei der Telekom.

Die Nachfrage nach Breitband wird laut dem Breko stark steigen. Liege die aktuelle Standard-Downstream-Bandbreite noch zwischen zehn und 30 MBit/s, erwarteten die Verbandsmitglieder, dass sich Privatkunden bis 2025 etwa 400 MBit/s beim Download und 200 MBit/s beim Upload wünschen. Ohne flächendeckende hochleistungsfähige Glasfaserinfrastruktur sei dem nicht nachzukommen.

Das im Festnetz übertragene Datenvolumen hat sich laut Studie von 9,5 Milliarden Gigabyte 2014 auf 11,5 Milliarden Gigabyte erhöht. Diese Werte würden sich bis 2020 fast vervierfachen. Mobil würden Daten mittlerweile zu über 80 Prozent per WLAN genutzt. Auch für die Breitbandversorgung per Mobilfunk bilde so die Glasfaser die benötigte Basis. (anw)

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