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Verband: Online-Versandhandel wächst um 17 Prozent

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Zwei Drittel des Versandhandels in Deutschland werden in diesem Jahr laut einer Branchenstudie über das Internet abgewickelt. Der Umsatzanteil des E-Commerce werde von 60 im Jahr 2010 auf 66 Prozent zulegen, berichtete der Bundesverband des Deutschen Versandhandels (bvh) am Dienstag. Dafür sorgt das Umsatzplus von 17 Prozent auf 21,48 Milliarden Euro im Online-Handel mit Waren, wie eine breit angelegte Verbraucherstudie ergab.

Insgesamt werde der deutsche Versandhandel 2011 um 7 Prozent auf 32,4 Milliarden Euro vorrücken. Für die Untersuchung "Distanzhandel in Deutschland" befragt das Forschungsinstitut TNS Infratest im Jahresverlauf rund 30.000 Verbraucher.

Zusammen mit dem zu eBay gehörenden Bezahldienstleister PayPal hat der bvh außerdem die gemeinsame Studie "eCommerce 2011" vorgestellt. Als Grundlage dienten 1020 Interviews mit einer repräsentativen Auswahl von Internetnutzern sowie die Angaben von 3000 Versandhändlern, von denen 505 näher befragt wurden.

Etwa ein Fünftel der Versandhändler ist ausschließlich online tätig, ein weiteres Fünftel überwiegend. Wie zu Zeiten von Quelle- und Neckermann-Katalog dominiert noch heute im Versandhandel der Verkauf von Textilien und Schuhen, mit dem 2010 rund 2,9 Milliarden Euro umgesetzt wurden. Mit Unterhaltungselektronik (920 Millionen), Medien (770 Millionen) und Computern (590 Millionen) folgen aber typische E-Commerce-Branchen.

Von den 30 Milliarden Euro, die 2010 vom Versandhandel umgesetzt wurden, kamen knap zwei Drittel (18,3 Milliarden) über Online-Bestellungen zustande. Noch 2007 lag dieser Anteil bei etwa 40 Prozent (10,9 Milliarden). Das Wachstum im E-Commerce treibt den Versandhandel insgesamt nach oben, der inzwischen für 7,8 Prozent aller Einzelshandelsumsätze verantwortlich ist (2007: 7,0 Prozent).

Nur zwei von fünf Händlern erwarten, dass der Anteil des Online-Handels weiter wachsen wird. Als Erfolgskriterien sehen sie selbst vor allem die Nutzerfreundlichkeit des Shops und die Schnelligkeit der Abwicklung; Image und Bekanntheit, Service, Preise, Bezahlverfahren oder Versandkosten spielen ihrer Auffassung nach eine geringere Rolle.

Vorkasse bieten 90 Prozent der Händler an, gefolgt von PayPal (80 Prozent) und Nachnahme (60 Prozent). Die bei den Käufern beliebten Zahlverfahren per Rechnung oder Lastschrift akzeptiert nur jeder zweite beziehungsweise jeder dritte Händler. Von den PayPal-Konkurrenten spielt nur Sofortüberweisung.de eine Rolle (32 Prozent, Tendenz steigend). Giropay, Moneybookers und Click & Buy nutzt nicht einmal jeder zehnte Händler. Die Dominanz von PayPal unter den Bezahldienstleistern erweist sich auch an einem anderen Studienergebnis: Drei von fünf Händlern gaben an, dass sie durch die Nutzung von PayPal Kunden dazugewonnen haben.

Entsprechend sieht es auf der Nutzerseite aus: Knapp ein Drittel der Waren wurde 2010 per Vorkasse bezahlt, 28 Prozent per PayPal und 15 Prozent per Rechnung. Mehr als 60 Prozent der Internetnutzer hat schon einmal per Vorkasse eingekauft, doch über drei Viertel beschleicht dabei ein mulmiges Gefühl. Viel Vertrauen bringen die Kunden den Händlern nicht entgegen – 70 Prozent geben ihnen nur ungern ihre persönlichen Daten.

Bezahlen im Internet ist immer noch ein Problem für die Kunden: Fast die Hälfte würde gerne mehr online kaufen, wenn der Gang zur Kasse leichter fiele. Verstärkt gilt das für ausländische Anbieter (bei denen immerhin 29 Prozent schon einmal gekauft haben) und für unbekannte Shopbetreiber.

Als wichtigen Trend machen die Autoren der Studie Einkäufe vom Mobilgerät aus. In fünf Jahren sollen 8 Prozent der E-Commerce-Umsätze über das Smartphone laufen. Schon heute hat jeder vierte Smartphone-Besitzer Mobile Commerce schon einmal ausprobiert. Der Checkout lief überwiegend über Kreditkarte, Rechnung oder spezielle Dienstleister; über die Mobilfunkrechnung beglichen nur 16% ihre Einkäufe. PayPal bewegte alleine in diesem Monat mit seinem Dienst Mobile Express Checkout 13 Millionen Euro, mit denen 250.000 Waren bezahlt wurden. (heb)