Verband: VDSL-Monopol gefährdet Breitband-Wachstum

Der Verband europäischer Telekommunikationsanbieter (ECTA) warnt vor negativen Auswirkungen eines Regulierungsmoratoriums für VDSL. Nicht nur der deutsche Verbraucher hätte das Nachsehen, der Markt in ganz Europa sei davon betroffen.

Lesezeit: 3 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 175 Beiträge
Von

Der Verband europäischer Telekommunikationsanbieter (ECTA) sieht die Chancen Deutschlands, sich in Sachen Breitband-Penetration aus dem Tabellenkeller der europäischen Liga zu befreien, mit Skepsis. Das drohende Regulierungsmoratorium für das VDSL-Netz der Deutschen Telekom könne das Breitband-Wachstum in Deutschland gefährden, warnte der Verband heute in Brüssel. Die Ausnahme des VDSL-Netzes von der Regulierung führe zu neuen Monopolpreisen, die einen langfristig negativen Effekt auf die Entwicklung der Kundenzahlen haben werde. Darüber hinaus könne die Strategie der Telekom Nachahmer bei den ehemaligen Monopolanbietern anderer europäischer Länder finden und sich europaweit negativ auswirken.

Für ECTA ist der deutsche Streit um VDSL besonders befremdlich, da Deutschland auf dem DSL-Markt bereits auf dem richtigen Weg sei. Es gebe erste Anzeichen für Fortschritt, so der Verband. So hätten der Zugang zur Teilnehmeranschlussleitung (TAL) und das Resale-Verfahren auch Breitbandkunden in ländlichen Regionen erstmals zumindest eine kleine Wahl des Anbieters gelassen. ECTA erwartet eine weitere Belebung des Wettbewerbs von der konsequenten Regulierung der Zugangsmöglichkeiten auf Großhandelsbasis. Zuletzt hatte die zuständige Bundesnetzagentur ihre Entwürfe der Regulierungsverfügungen für die Vorprodukte Bitstream Access ATM und Bitsream Access IP veröffentlicht.

Das macht Steen Clausen Hoffnung. "Das sind alles kleine, aber positive Schritte", die näher an das Ziel heranführten, "allen Konsumenten in ganz Deutschland eine echte Alternative zur Telekom" zu bieten, sagt der ECTA Managing Director. Wenn der Regulierer jetzt dem Wettbewerb keinen Zugang zum VDSL-Netz verschaffe, gäbe es in Deutschland wieder ein Monopol wie vor der Liberalisierung des Marktes 1998. "Und Monopole bedeuten höhere Preise, weniger Auswahl", warnt Clausen, "alle verlieren, außer dem Monopolisten". Für Bernd Schlobohm, CEO des ECTA-Mitglieds QSC, ist der Zugang zu Großhandelsbedingungen besonders wichtig. Ohne den würden Kunden nicht von den "Vorzügen eines freien Marktes" profitieren können. Bei nur einem Anbieter gäbe es weder Innovation noch Wettbewerb. Beides sei aber wichtig für die "Entwicklung von Breitband und Triple Play sowie für die deutsche Wirtschaft insgesamt".

Für die ECTA wird die Entwicklung in Deutschland ein Zeichen auch für andere Länder setzen. "Aller Augen sind im Moment auf Deutschland gerichtet", sagt Clausen. "Der Regulierer muss entschieden dafür sorgen, dass der Wettbwerb auch bei VDSL geschützt wird". Sonst gehe das Signal an andere europäische Ex-Monopolisten, dass es einfacher sei, "dem Wettbewerb auszuweichen, als ihn frontal anzugehen".

Um das VDSL-Hybridnetz der Telekom gibt es heftigen Streit, seit der Ex-Monopolist versucht, das neue Netz zum Innovationsschutz von der Regulierung ausnehmen zu lassen. Das Unternehmen hatte unter allgemeinem Protest der Wettbewerber erreicht, den Innovationsschutz für VDSL im Entwurf des Telekommunikationsgesetzes unterzubringen. Inzwischen hat sich auch Brüssel in die Debatte eingeschaltet.

Zur Auseinandersetzung um die Telekommunikationsregulierung und das geplante VDSL-Netz der Deutschen Telekom siehe auch: