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Verband kritisiert Studie zum "Mythos Carsharing"

Gegen den Versuch einer Beratungsgesellschaft, das Carsharing zu "entmystifizieren", erhebt sich scharfer Widerspruch aus der Branche.

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Carsharing ist nicht gleich Carsharing: Stationäre Anbieter wie Stadtmobil oder die DB-Tochter Flinkster unterscheiden sich von den "Free Floatern" wie Car2Go.

(Bild: Bundesverband Carsharing)

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Der Bundesverband Carsharing (BCS) kritisiert eine von der Beratungsgesellschaft A.T. Kearney vorgestellte Studie zum Carsharing scharf. Die von A.T. Kearney präsentierten Ergebnisse bezögen sich nur auf sogenannte "Free Floating"-Anbieter, deren Fahrzeuge frei im jeweiligen Betriebsgebiet abgestellt werden können, heißt es in einer Mitteilung des Verbands. Das Papier sei "nicht repräsentativ für das CarSharing in Deutschland" und stehe "eklatant" in Konflikt "mit der Realität und mit etablierten wissenschaftlichen Erkenntnissen".

A.T. Kearney hatte seine Studie "Die Entmystifizierung des Carsharing" in der vergangenen Woche vorgestellt. Die Autoren stellen in dem Papier in Frage, dass Carsharing wesentlich zur Entlastung des Verkehrs in Innenstädte beiträgt. Im Gegenteil: Carsharing-Angebote gingen zu Lasten des ÖPNV und "verfehlt damit auch das von der Politik verfolgte Ziel, nachhaltigen Verkehr in den Städten zu stärken". Zudem sei das Geschäftsmodell schon in den kleineren deutschen Großstädten wie Hamburg, München oder Köln nicht mehr rentabel zu betreiben.

"Die von A.T. Kearney gezogenen Schlüsse bezüglich der Entlastungswirkung des CarSharing treffen auf die Anbieter ShareNow, WeShare und Sixt share möglicherweise zu", meint dazu der BCS. "Für die übrigen rund 170 CarSharing-Anbieter in Deutschland sind sie hingegen irrelevant". Im BCS sind bundesweit rund 150 lokale Carsharing-Anbieter organisiert. Diese oft von einem Verein getragenen Vermieter arbeiten im Unterschied zu den Free-Floatern von Daimler/BMW, Volkswagen oder Sixt in der Regel mit stationären Angeboten.

Die Ausführungen von A.T. Kearney zur mangelnden Wirtschaftlichkeit in kleineren und weniger dicht besiedelten Städten sei "durch die Realität bereits widerlegt", heißt es beim BCS. Auch in den von der Studie genannten Städten Köln und Essen gebe es CarSharing-Anbieter, "die seit Jahren ohne Hilfe von Investoren oder Subventionen arbeiten". Richtig sei aber, das die Gewinnmargen beim Carsharing nicht besonders lukrativ seien.

Hinsichtlich der Aussage von A.T. Kearney, Carsharing leiste keinen oder nur einen geringen Beitrag zur Reduzierung des motorisierten Individualverkehrs, kritisiert der BCS die Methodik. Der Verband verweist auf andere Studien, denen zufolge die "reinen Free-floating-Angebote keine oder nur geringe verkehrsentlastende Wirkung" zeigten, wohingegen für stationsbasierte Varianten "der Nachweis einer erheblichen verkehrsentlastenden Wirkung" bereits wissenschaftlich geführt worden sei.

"Die drei Anbieter ShareNow, WeShare und Sixt share stellen derzeit zusammen etwas weniger als die Hälfte der in Deutschland verfügbaren Carsharing-Fahrzeuge", betont der BCS. "Sie operieren nur in 7 von 740 Städten und Gemeinden, in denen in Deutschland Carsharing verfügbar ist." Das sei "für den deutschen Carsharing-Markt keineswegs repräsentativ". Die Carsharing-Anbieter zielten "auf einen möglichst geringen Autokonsum ab" und würden damit einen "praktischen Beitrag zu einer Verkehrswende in Deutschland leisten". Dies solle "man nicht mutwillig schlechtreden".

Das "Free Floating"-Carsharing ist attraktiv, weil in den Innenstädten der Metropolen die Chancen gut stehen, dass ein Fahrzeug in unmittelbarer Nachbarschaft bereitsteht – zumal wenn wie in Berlin gleich mehrere Free-Floater um Kunden buhlen. Das kann ein Vorteil gegenüber stationären Angeboten sein, deren Standorte oft weiter entfernt sind. Doch auch die stationären Carsharing-Anbieter arbeiten daran, sich attraktiver zu machen: mit mehr Stationen und leichterer Anmietung per App.

Es gibt auch andere Stimmen, die den entlastenden Effekt der neuen Sharing-Angbote für übertrieben halten. So wie die Sharing-Angebote heute genutzt werden, lasse sich allenfalls von einem geringen Nutzen für die Umwelt sprechen, meint Maike Gossen vom Institut für Ökologische Wirtschaftsforschung: "Das Versprechen, Sharing leiste einen Beitrag zur Entlastung der Umwelt, kann zwar bejaht werden – aber die Effekte sind geringer als immer so suggeriert wird." (vbr)