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Verbandschef: Deutsche Zeitungen krisenfester

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Die deutschen Zeitungen stehen in der Wirtschaftskrise besser da als viele Verlage in Westeuropa. In Großbritannien, Frankreich, Spanien und Italien sei 2009 mit einem Anzeigenminus von bis zu 30 Prozent zu rechnen, sagte der Präsident des Europäischen Zeitungsverlegerverbandes, Valdo Lehari jr., in einem Gespräch mit dpa. Die Lage im Ausland werde verschärft durch die Vielzahl an Gratiszeitungen dort. In Deutschland gingen die Verlage von acht bis 14 Prozent Umsatzminus bei der Werbung aus.

Lehari warnte davor, die Situation für die Medienhäuser durch Schwarzmalerei zu verschlimmern. Bei bestimmten Nachrichtenlagen wie der Obama-Wahl gebe es noch Tage, "da ist manche Zeitung ausverkauft." Das für die USA befürchtete Zeitungssterben werde es in Deutschland nicht geben. "Die Probleme in den USA sind oft hausgemacht."

Der Verlegerpräsident forderte einen urheberrechtlichen Schutz vor dem zunehmenden illegalen Kopieren und gewerblichen Nutzen digitaler Presseinhalte insbesondere im Internet. Für Presseverlage müsse ein eigenes Leistungsschutzrecht geschaffen werden. Tonträger- und Filmhersteller seien bereits durch bestehende Leistungsschutzrechte geschützt. Ebenso seien auch die Verleger auf den Schutz ihrer organisatorischen und wirtschaftlichen Leistung angewiesen. "Die Politik muss das deutlich auf die Agenda setzen", sagte Lehari, der als Verleger des Reutlinger General-Anzeigers auch Präsident des Verbands Südwestdeutscher Zeitungsverleger ist.

Zugleich wandte er sich gegen eine etwaige direkte Staatshilfe für Medien, falls diese in wirtschaftliche Not geraten sollten: "Es gibt einen ganz großen Konsens in der Branche, ohne direkte staatliche Unterstützung zu arbeiten." Den Medienhäusern wäre viel mehr geholfen, wenn zum Beispiel Gesetze, die die Werbung reglementierten, gar nicht erst erlassen würden.

Eine zentrale Aufgabe sieht Lehari weiterhin im Werben um junge Leser. Es sei ermutigend, dass immer noch rund die Hälfte der 14- bis 19-Jährigen Zeitung lese. Er sieht die Politik in der Pflicht, die Zeitung speziell den Schülern nahezubringen: "In Finnland gehört die Zeitung zu den Unterrichtsmaterialien. Die Zeitung hat einen didaktischen Stellenwert."

Im Online-Geschäft durch Bezahl-Angebote endlich Geld zu verdienen, hält er für wenig aussichtsreich. "Da ist eine Unkultur des Kostenlosen entstanden, die sich wohl nicht mehr zurückdrehen lässt."

Siehe dazu auch:

(Matthias Röder, dpa) / (jk)