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Verbraucherschützer hinterfragen Nutzen intelligenter Stromnetze

Für Verbraucherschutzgruppen aus der EU und den USA ist der geplante Aufbau intelligenter Stromnetze kein Selbstläufer. Die Allianz "Trans Atlantic Consumer Dialogue" (TACD) hat Anfang der Woche zwei Resolutionen veröffentlicht, die das Potenzial der Neuausrichtung der Energieversorgung hinterfragen und auf den Schutz der Privatsphäre bei intelligenten Stromzählern drängen. "Die angenommenen Vorteile dieser Technik für Gesellschaft, Umwelt und Verbraucher sind bislang weder untersucht noch größenmäßig nachgewiesen worden", erklärte Monika Büning vom Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv). Die Regierungen dies- und jenseits des Atlantiks sollten daher regelmäßig entsprechende Prüfberichte vorlegen.

Die Debatte über die informationstechnische Aufrüstung der Stromnetze sei bisher zu stark von der Industrie vorangetrieben worden, kritisierte Büning weiter. Die Bedürfnisse der Verbraucher seien dagegen noch nicht ausreichend berücksichtigt worden. Die TACD-Entschließung zu Smart Grids (PDF-Datei) empfiehlt daher eine gründliche Kosten-Nutzen-Analyse und eine Untersuchung der vorgelegten Berechnungen auch unter sozialen Gesichtspunkten. Darüber hinaus müsse der tatsächliche Bedarf nach "intelligenten Haushaltsgeräten" geklärt werden.

Neben dem Schutz vor Hackerangriffen hält die Vereinigung die Sicherung der Privatsphäre für einen der wichtigsten Erfolgs- und Akzeptanzfaktor für die Erneuerung der Energienetze. Die gesonderte Resolution zu intelligenten Stromzählern (PDF-Datei) warnt davor, dass die Geräte zur individuellen und zeitnahen Verbrauchsmessung ein "Spion im Heim" werden könnten. Aufgrund der Vielfalt der verfügbaren Daten und der regelmäßigen Übermittlung könnten private Informationen der Haushalte enthüllt werden, fürchtet Lillie Coney von der US-Bürgerrechtsorganisation Electronic Privacy Information Center (EPIC).

Die Verbraucherschützer raten, den Datenschutz bereits beim Design der Technik zu berücksichtigen. Ohne Einwilligung der Bewohner dürften keine intelligenten Stromzähler auf ihren Grundstücken installiert werden. Die Weitergabe der erhobenen Informationen an Dritte etwa für Marketingzwecke müsse streng reguliert werden. Für die Aufbewahrung der Daten seien klare Fristen zu setzen. Zur anonymen Übertragung der Ableseresultate müssten sichere Transportprotokolle entwickelt werden. Insgesamt sei dem Verbraucher immer die komplette Kontrolle über die Daten zu ermöglichen. Ähnliche Empfehlungen haben hierzulande bereits Datenschutzbeauftragte und Forscher abgegeben. (Stefan Krempl) / (vbr)

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