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Verbraucherschützer will Dienste im Web sicherer machen

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Gerd Billen, Vorstand des Bundesverbands der Verbraucherzentralen (vzbv), hat verstärkte gemeinsame Anstrengungen von Politik, Wirtschaft und den Nutzern gefordert, um Dienste im Web 2.0 sicherer zu machen. "Wir brauchen eine stärkere Gesetzgebung", sagte der Experte auf dem Verbraucherpolitischen Kongress in Hamm am heutigen Mittwoch. Die Anbieter müssten besser kontrolliert und es müssten neue Standards im Bereich Datenschutz geschaffen werden. So sei etwa eine Handhabe gegen den Verkauf kompletter Datenbestände sozialer Netzwerke bei einem Betreiberwechsel zu schaffen.

US-Firmen wie Facebook oder Google müssten sich an die Datenschutzbestimmungen in der EU halten, sobald sie sich hier auf dem Markt bewegten, meint Billen. Sollten Nutzerdaten etwa für eine zielgerichtete Werbung beansprucht werden, müsse dafür die ausdrückliche Einwilligung der Betroffenen eingeholt werden. Billen machte auch deutlich, dass Gefahren durch Regulierung und Überwachung allein nicht ausgeschlossen werden könnten. Die Nutzer müssten daher in die Lage versetzt werden, "mit Medien und ihren Risiken vernünftig umzugehen". Die Verbraucherschützer hätten nicht nur einen Zuwachs an Beschwerden über Internetkriminalität und Online-Abzocke registriert, sondern auch, dass Strafverfolger im Netz weitgehend handlungsunfähig seien.

Vielen Internetnutzern sei nicht bewusst, dass ihre Daten gewissermaßen die Währung für die kostenlose Nutzung sozialer Netzwerke seien, meinte der nordrhein-westfälische Verbraucherschutzminister Eckhard Uhlenberg (CDU). Er empfahl ihnen daher, zunächst zumindest immer einen Blick in die Allgemeinen Geschäftsbedingungen zu werfen. NRW werde aber auch auf Landesebene "weitere Gesetzesverschärfungen prüfen".

Sabine Feierabend von der SWR-Medienforschung mache im Umgang mit den Netzwerken "eine gewisse Naivität" aus. In einem Ausblick auf die bald zur Verfügung stehende Studie "Jugend, Informationen, (Multi-)Media" (JIM) 2009 verwies sie darauf, dass die Nutzung von Online-Communities im Vergleich zum Vorjahr einen "enormen Zuwachs" von über 50 auf über 70 Prozent bei der untersuchten Zielgruppe der 12- bis 19-Jährigen erfahren habe. 25 Prozent der Befragten glaube dabei, dass alle Daten im Internet nach einer gewissen Zeit von selbst gelöscht würden. Zudem nutze nur 46 Prozent die von Betreibern bereitgestellten Voreinstellungen zum Datenschutz. (anw)