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Verbrennungsmotor unter Druck

VWs Dieselgate hat eine Entwicklung gestartet, die die Dieseltechnik insgesamt unter Druck setzt und auch den Otto-Motor in Frage stellt.

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Auspuff

(Bild: Kristina Beer<br><br>)

Die bis Weihnachten erhoffte Einigung auf einen Vergleich zwischen Volkswagen und den US-Behörden sowie Autokäufern zu den großen 3,0-Liter-Motoren der Oberklasse-Tochter Audi muss weiter aufgeschoben werden. Am Freitagnachmittag (Ortszeit) konnte der zuständige US-Richter Charles Breyer in San Francisco noch keinem von den Parteien vorgeschlagenen Ergebnis zustimmen. Es geht um rund 80.000 Fahrzeuge mit manipulierten 3-Liter-Dieselantrieben, die er möglichst schnell von der Straße bekommen will. Schon am Montag (8.00 Uhr/17.00 Uhr MEZ) verlangt Breyer von den Anwälten erneut Auskunft über den Stand der Gespräche.

VW soll die Wagen mit den von Audi entwickelten Motoren durch Umrüstung in einen gesetzeskonformen Zustand zu bringen oder durch Rückkauf aus dem Verkehr zu ziehen. Bei den 2-Liter-Maschinen hatte der Konzern schon einem Vergleich zugestimmt, der bis zu 16,5 Milliarden US-Dollar (15,8 Mrd Euro) kosten könnte - der teuerste Deal dieser Art in der Geschichte der Autobranche.

Die 3,0-Liter-Dieselmotoren stecken nicht nur in Audi-Luxusmodellen, sondern auch in Nobel-SUVs wie dem Porsche Cayenne und VW Touareg. Eine Umrüstung gilt als vergleichsweise schwierig: Die einzuhaltenden Grenzwerte für Stickoxide sind in den USA deutlich schärfer als in Europa. Ein Rückkauf aber könnte erneut empfindlich ins Geld gehen. Anfang November hatte sich in dem Streit zunächst bereits ein Ergebnis abgezeichnet. Doch kurz darauf sorgten Berichte über mögliche weitere Abgas-Manipulationen bei Audi für neue Unruhe.

In Deutschland haben derweil Umweltaktivisten von Greenpeace mit einem zehn Meter hohen Holzkreuz vor dem VW-Stammwerk in Wolfsburg einen raschen Ausstieg aus der Dieseltechnik gefordert. Mit dem Protest richte sich die Umweltorganisation auch an weitere Autokonzerne, teilte ein Sprecher mit. Das Kreuz war in schwarze Tücher gehüllt und auf einer Ansammlung ausrangierter Dieselautos unterschiedlicher Hersteller aufgestellt. "Ruhe in Frieden - Diesel" stand auf einem Banner, das die rund ein Dutzend Aktivisten hochhielten.

Nahezu alle Hersteller von Diesel-Autos verkauften Fahrzeuge, die auf der Straße deutlich mehr giftiges Stickoxid ausstießen als erlaubt, sagte Organisator Daniel Moser. "Die Hersteller müssen jetzt saubere Formen der Mobilität entwickeln, sonst haben sie keine Zukunft."

Aber auch der Benzinmotor steht in der Kritik. So hatten die Grünen kürzlich ein Verbot von Verbrennungsmotoren für neue Pkw ab 2030 ins Gespräch gebracht. Dagegen regt sich mittlerweile Protest in der Automobilbranche.So hat Daimler ausdrücklich betont, man halte am Verbrennungsmotor fest. "Die Verbrennungsmotoren zu früh als alt und schlecht zu bezeichnen, ist einfach zu kurz gesprungen", sagte Entwicklungschef Thomas Weber der Deutschen Presse-Agentur. Mit den immer weiter wachsenden elektrischen Reichweiten von sogenannten Plug-In-Hybriden, die sowohl mit Benzin als auch mit Strom betankt werden, könne der Übergang effizient gestaltet werden.

Daimler investierte gerade erst drei Milliarden Euro in die Entwicklung neuer Verbrennungsmotoren. Hinzu kommen zehn Milliarden Euro, die die Schwaben in den Aufbau ihrer neuen Elektromarke EQ stecken. In den kommenden zehn Jahren werde Daimler sich weiterhin für mehrere Antriebsarten aufstellen müssen, sagte Weber – das sei aber kein Problem: "Es ist ein Trugschluss, zu glauben, dass es teurer wird, mehrspurig zu fahren."

Derweil wurde in Peking zum ersten Mal in diesem Jahr wegen enormer Luftverschmutzung die höchste Alarmstufe "Rot" ausgerufen. Damit gelten von Freitagabend bis Mittwoch weitreichende Fahrbeschränkungen, wie die Umweltbehörde in Peking mitteilte. Einige Fabriken müssen die Produktion herunterfahren oder gar stoppen. Kindergärten und Grundschulen wurden angewiesen, den Unterricht ausfallen zu lassen, damit die Schüler zu Hause bleiben können.

Elektroautos in Deutschland (55 Bilder)

BMW produziert den i3 seit September 2013, in Deutschland wurde er ab November 2013 ausgeliefert. Grundpreis: 35.000 Euro. BMW gibt die Reichweite mit bis zu 200 km im Alltagsbetrieb an.

(Mit Material von dpa) / (js)

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