VeriSign darf bald Vorreservierungen für Domains verkaufen

VeriSign/NSI, Betreiber der zentralen Datenbank für com-, net- und org-Adressen will künftig nicht nur freie Domains, sondern auch Vorreservierungen für die Neuzuteilung bereits vergebener Domains verkaufen.

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  • Monika Ermert

VeriSign/NSI, Betreiber der zentralen Datenbank für com-, net- und org-Adressen, will künftig nicht nur freie Domains, sondern auch Vorreservierungen für die Neuzuteilung bereits vergebener Domains verkaufen. Trotz der Ablehnung dieses Plans durch die Domain Name Supporting Organization (DNSO), des für Domains zuständigen Selbstverwaltungsgremiums innerhalb der ICANN, gaben ICANNs Direktoren Ende vergangener Woche die Erlaubnis für eine Testphase. "ICANN sollte es vermeiden, Kunden die Möglichkeit zu nehmen, einen Service einzukaufen, den sie möglicherweise für sinnvoll erachten", heißt es in der umstrittenen Entscheidung. DNSO und einige Registrare warnen davor, dass konkurrierende Anbieter solcher Services vom Markt verschwinden werden, wenn der Dienst von der zentralen Registry angeboten werden darf.

Entwickelt hatte VeriSign die neue Geschäftsidee, nachdem die Datenbanken durch Daueranfragen nach freiwerdenden Domains überlastet waren. Über den Waiting-List-Service (WLS) will das Unternehmen das Geschäft mit den Vorreservierungen über die ICANN-Registrare zentral abwickeln. Der viel zitierte Vorteil für die Kunden: Wer den zentralen WLS-Eintrag auf eine aktuell vergebene Domain im First-Come-First-Serve-Verfahren ergattert hat, dem ist die Domain sicher, sobald sie einmal frei wird. VeriSign aber will sich diese Garantie teuer bezahlen lassen: mit 24 US-Dollar ist der WLS-Eintrag teuerer als die Registrierung einer Domain selbst. Wenn der aktuelle Domaininhaber jedoch brav seine Registrierung erneuert, kann der Besitzer eines WLS-Eintrags sein Geld in den Wind schreiben.

Diese Preisgestaltung werde möglicherweise dafür sorgen, dass mancher Kunde sich doch noch für die Konkurrenz entscheide, schrieb ICANNs Chefjurist Louis Touton jetzt in seiner Empfehlung zu Gunsten von VeriSign. Das dürfte allerdings auf ernsthafte Interessenten kaum zutreffen. Um irgendwie noch Wettbewerb zu sichern, hat die ICANN-Spitze daher noch weitere Auflagen für VeriSigns Monopolservice verabschiedet. So darf das Unternehmen den Wartelisten-Dienst frühestens sechs Monate nach Einführung einer neuen Fristregelung für abgelaufene Reservierungen (Redemption Grace Period) starten. Damit soll verhindert werden, dass Domaininhaber "aus Versehen" ihre Domains verlieren. Außerdem muss sich VeriSign verpflichten, allen ICANN-Registraren und nicht nur seinem Partner SnapNames die gleichen Bedingungen bei WLS-Registrierungen einzuräumen.

Für Chancengleichheit soll schließlich auch eine Sperrfrist von 60 Tagen vor Auslaufen einer Domain sorgen. In dieser Frist dürfen die Registrare, bei denen eine Domain eingekauft wurde, keine WLS-Einträge auf diese Domain annehmen: Weil sie wissen, wann eine Domain ausläuft, wären sie sonst gegenüber der Konkurrenz im Vorteil. Dass aber VeriSign seinen besonderen Informationsvorsprung als zentrale Registry mit hauseigenem Registrar nutzen könnte, befürchten die Mitbewerber ohnehin. "Es ist so, dass die Registry alle WLS-Registrierungen kennt und auch die Zeit, wann Registrierungen auslaufen", heißt es in einem Positionspapier der ICANN-Registrare. Vor allem, wenn man an die bekannten Präzendenzfälle denke, in denen VeriSign ausgelaufene Domains nicht gelöscht habe, sei man besorgt. Immerhin untersucht auch die Federal Trade Commission gerade das Wettbewerbsverhalten von VeriSign. Bei der ICANN sicherte man sich schon einmal ab, indem man ankündigte, man werde in der anstehenden Reform der Domainverwaltung auch dafür Sorge tragen, dass künftig externer Rat zu Wettbewerbsfragen gehört wird. Erst in der vergangenen Woche veröffentlichte man auch erste Vorschläge für einen Ombudsmann und ein verbessertes Berufungsverfahren bei Beschwerden.

Solange will der Clint Page, Chef von Dotster, einem großen US-Registrar, nicht warten. Er kündigte Anfang der Woche an, er wolle sich in der Frage WLS noch nicht geschlagen geben. Trotz der Bedingungen für VeriSign, "landen wir doch bei einem Monopol, das den Sekundärmarkt kontrolliert", kritisiert Tom Bennett von Dotster. ICANN steht derzeit unter besonderer Beobachtung durch das US-Handelsministerium, weil im September der Vertrag mit US-Behörden mit den privaten Namensverwaltern ausläuft. (Monika Ermert) / (jk)