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VeriSign erneut Verwalter der .com-Domain

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Mit neun gegen fünf Stimmen bei einer Enthaltung hat der ehrenamtliche Vorstand der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) am gestrigen Dienstagabend für den umstrittenen neuen Vertrag über den Betrieb der .com-Registrierdatenbank (Registry) mit VeriSign gestimmt. Die Registry der .com-Domain ist damit Ausschreibungen in der Zukunft prinzipiell entzogen. VeriSign erhält das Recht zu automatischen Verlängerungen dieses Vertrags. VeriSign war durch die Übernahme des ehemaligen Domain-Monopolisten Network Solutions in den Besitz des .com-Registry-Geschäfts gekommen, lediglich das Registrar-Geschäft also die eigentlichen Domain-Registrierungsdienstleistungen für Endkunden, hatte man Ende 2003 abgestoßen.

Die jetzige Entscheidung zu Gunsten von VeriSign war von Branchenkreisen erwartet worden, auch wenn es gerade unter den Registraren heftige Widerstände gab. Die ICANN nennt in einer ersten Mitteilung die Beilegung des von VeriSign gegen ICANN angestrengten Rechtsstreites in der Folge des Sitefinder-Verbotes als zentrales Ergebnis aus Sicht der privaten DNS-Verwaltung. In einem Brief an den Vorstand kurz vor der gestrigen Sitzung hatte VeriSign-Chef Stratton Sclavos zudem auch noch damit geworben, dass die ICANN durch den neuen Vertrag finanziell abgesichert sei. Die Kritik von acht großen Registraren – die allerdings beileibe nicht die einzigen Gegner der Vereinbarung darstellen – seien dagegen nicht vom Interesse für die Internetnutzer motiviert, sondern von den finanziellen Interessen der Registrare, meint Sclavos in seinem Schreiben.

Einen ersten Kommentar erlaubte sich unmittelbar nach der Entscheidung der US-Anwalt und Nutzervertreter Bret Fausett: "Es ist offiziell: Klagen vor Gericht haben die Erarbeitung gemeinsamer Regeln als Hauptmechanismus zur Lösung von Streitfragen innerhalb der ICANN abgelöst."

Die Entscheidung dürfte einen Sturm der Entrüstung auslösen, da sich VeriSign einmal mehr durchgesetzt hat – ebenso wie schon bei der erneuten Vergabe der Registry für .net beziehungsweise bei früheren Vertragsverlängerungen über den Betrieb von .com, .net und ursprünglich auch .org. Die .net-Ausschreibung habe allerdings gezeigt, schreibt der US-Abgeordnete Rick Boucher in Briefen an das US-Handelsministerium und an das US-Justizministerium, dass niedrigere Preise möglich sind. Boucher warnte in seinem Brief daher vor einer möglichen Wettbewerbsverzerrung durch den neuen .com-Vertrag.

Es bleibt abzuwarten, wie das US-Handelsministerium auf die Kritik reagiert. Es muss den Deal entsprechend seiner Aufsichtsrolle absegnen. Erst dann, so betont auch die ICANN in ihrer Mitteilung, kann der Vertrag endgültig abgeschlossen werden. US-Registrare wie das inzwischen von VeriSign unabhängige Regsitrar-Geschäft von Network Solutions, haben bereits angekündigt, sie würden die US-Regierung auffordern, den Vertrag nicht zu genehmigen. Auch das wäre allerdings ein Novum. Genauso wie VeriSign bislang sich immer durchgesetzt hat, hat die US-Verwaltung bislang ICANN-Entscheidungen durchgewunken. (Monika Ermert) / (jk)