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13.000 frühzeitige Todesfälle durch Verkehrsabgase in Deutschland

Deutschland leidet laut einer Studie vor allem aufgrund von Emissionen aus Dieselfahrzeugen unter einer hohen Belastung der öffentlichen Gesundheit.

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Verkehrsbedingte Gesundheitsfolgen: 13.000 frühzeitige Tote in Deutschland

Feinstaub-Messstation

(Bild: dpa)

Im Jahr 2015 waren hierzulande etwa 13.000 frühzeitige Todesfälle auf Feinstaub und Ozon aus dem Verkehrsbereich zurückzuführen. Die gesellschaftlichen Kosten durch verkehrsbedingte Gesundheitsschäden beliefen sich auf rund 97 Milliarden Euro, was etwa 3 Prozent des Bruttosozialprodukts entspricht. Dies geht aus einer am Dienstag veröffentlichten Studie zu den gesundheitlichen Folgen von Luftverschmutzung des International Council on Clean Transportation (ICCT) hervor, das die VW-Dieselaffäre mit ins Rollen gebracht hat.

Der Verkehr hatte hierzulande laut der ICCT-Untersuchung einen Anteil von 31,4 Prozent. Dieselfahrzeuge im Straßenverkehr sollen dabei zu zwei Dritteln der gesundheitlichen Verkehrsbelastung in Deutschland beigetragen haben, gefolgt vom internationalen Schiffsverkehr (14 Prozent), mobilen Quellen außerhalb des Straßenverkehrs einschließlich Landwirtschafts- und Baumaschinen und dem Zugverkehr (13 Prozent) sowie sonstigen Fahrzeugen (8 Prozent).

Der hohe Anteil der Gesundheitsauswirkungen von Dieselfahrzeugen im Straßenverkehr setzt sich aus den Feinstaub- und Stickoxid-Abgasemissionen zusammen. Letztere tragen etwa zu Nitrataerosolen und Ozon bei. Unter den 100 untersuchten großen Ballungsgebieten weltweit lagen drei der sechs Städte mit der höchsten Sterberate in Folge von Abgasemissionen 2015 in Deutschland. Die sechs Städte waren Mailand, Turin, Stuttgart, Kiew, Köln und Berlin.

Deutschland hatte 2015 insgesamt die weltweit vierthöchste Zahl von frühzeitigen Todesfällen in Folge von Emissionen von Feinstaub und Ozon aus dem Verkehrsbereich, hinter China, Indien und den USA. In Relation zur Bevölkerungszahl kommt die Bundesrepublik auf die höchste Sterberate aller großen Volkswirtschaften: 17 frühzeitige Todesfälle pro 100.000 Einwohner, etwa 50 Prozent über dem Durchschnitt der EU.

Das Konzept der Studie stimme, erläuterte Joachim Heinrich vom Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin der Uni München, der nicht an der Analyse beteiligt war, gegenüber der Süddeutschen Zeitung. Für ihre Berechnungen hätten sich die Forscher auf anerkannte Verfahren gestützt. Das ICCT empfiehlt neben technischen Lösungen und regionalen Fahrverboten Ansätze in der Verkehrsplanung jenseits der "autofreundlichen" Stadt: Radwegnetze sollten verbessert, der öffentliche Nahverkehr ausgebaut werden. (anw)