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Verkehrswende-Forschung: 12 Millionen Euro für den Radverkehr

Zum Sommersemester sollen zunächst drei "Fahrrad-Professuren" eingerichtet werden. Seit 2009 hat die Regierung Kfz-Forschungsprojekte umfrangreicher gefördert.

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(Bild: FooTToo/Shutterstock.com)

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Die Erforschung der Verkehrswende mit Schwerpunkt Radverkehr kommt hierzulande zwar langsam in die Gänge. Die Fördersummen auf diesem Feld betragen aber nur einen Bruchteil von denen, die der Staat für Forschungsinitiativen im Bereich Kraftfahrzeugverkehr aufwendet. Dies ergibt sich aus Antworten der Bundesregierung auf Anfragen des Sprechers der grünen Bundestagsfraktion für städtische Mobilität und Radverkehr, Stefan Gelbhaar, die heise online vorliegen.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hatte im Mai versprochen, "den Radverkehr in den nächsten Jahren deutlich stärken" zu wollen. Dabei gehe es nicht nur um "Lifestyle, Freiheit und Flexibilität", sondern auch um "klimafreundliche und moderne Mobilität". Als "Fahrradminister" wolle er etwa dafür sorgen, dass das ihm unterstehende Ministerium zum Wintersemester 2020 erstmals Hochschul-Professuren fördern werde, die sich mit Radverkehrsthemen beschäftigen.

Mit dem inzwischen aufgelegten Programm "Stiftungsprofessuren Radverkehr" sollen nun zunächst drei Hochschulen den Zuschlag schon mit Start zum Sommersemester 2020 erhalten, schreibt der parlamentarische Verkehrsstaatssekretär, Enak Ferlemann. Insgesamt seien 33 Interessensbekundungen bis zum Fristende Anfang August eingegangen. Elf davon habe man aufgefordert, "vollständige Antragsunterlagen bis zum 15. November 2019" einzureichen.

Insgesamt sollen über das Förderprogramm "Nationaler Radverkehrsplan 2020" an bis zu sechs Hochschulen Stiftungsprofessuren etabliert werden. Ziel ist es, "einen Beitrag zur Kompetenzbündelung und Schaffung nachhaltiger Strukturen im Bereich des Radverkehrs" zu leisten. Über den zunächst vorgesehenen Zeitraum von fünf Jahren ergibt sich bei sechs Professuren ein Etat aus Bundesmitteln von bis zu 12 Millionen Euro. Das Fördervolumen für Forschungsprojekte in Bereichen wie "Verbrennungskraftmaschinen" oder "Maschinentechnik / Zahnräder, Getriebebau" hat hingegen von 2009 bis heute knapp 2,2 Milliarden Euro betragen.

Die Zahlen zeigten, dass von einer Gleichbehandlung des Radverkehrs in der Forschungsförderung noch keine Rede sein könne, kritisierte der Grünen-Abgeordnete Gelbhaar gegenüber der Süddeutschen Zeitung: "Mehr als 900 Mal so viel Forschungsgeld fürs Auto – damit kann keine Verkehrswende wissenschaftlich begleitet, geschweige denn vorgezeichnet werden." Zumal selbst die Gelder für die skizzierten Stiftungsprofessuren noch nicht im vollen Umfang im Bundeshaushalt verankert seien. Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub ADFC bezeichnete die drei Lehrstühle zwar als ersten, überfälligen Schritt. Um eine angemessene Radinfrastruktur zu planen, fehlten aber auch damit nach wie vor schlicht die Experten.

Der Anteil des Radverkehrs an den zurückgelegten Wegen liegt hierzulande laut einer Mobilitätsstudie der Bundesregierung bei 11 Prozent. Im Auto werden 57 Prozent gefahren, zu Fuß gegangen 22 und mit dem ÖPNV bewältigt rund zehn Prozent. Das Bundeskabinett hat sich mit dem Klimaschutzprogramm vorgenommen, mehr Menschen zum Umstieg aufs Rad zu bewegen. Dafür hat es bis 2023 rund 1,4 Milliarden Euro vorgesehen, um etwa Radwege auszubauen oder mehr Stellplätze einzurichten. (anw)