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Verkehrswende: Verbraucherschützer fordern Anspruch auf "Hausanschluss Mobilität"

Alle Menschen sollen künftig unabhängig vom Wohnort ohne eigenes Auto mobil sein können, will ein Verbraucherverein durchsetzen.

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(Bild: Milos Muller / Shutterstock.com)

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Für einige Verkehrsteilnehmer ist das eigene Auto nach wie vor ein Statussymbol, gerade in ländlichen Gebieten oder Randlagen größerer Städte ist es für viele Menschen aber auch noch unverzichtbar. Für den Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) steht aber außer Frage, dass es künftig auch ohne dieses Fortbewegungsmittel gehen muss. Er fordert deshalb einen gesetzlichen Anspruch auf einen "Hausanschluss Mobilität". Dieser soll garantieren, dass alle Bürger unabhängig vom Wohnort "ohne eigenes Auto mobil sein können und der Zugang zu Versorgungseinrichtungen, Ärzten, Behörden oder Ausbildungsstätten sichergestellt ist".

Für den Verband wird eine entsprechende Verfügbarkeit von Mobilitätsdiensten schon aufgrund der geplanten Einführung eines CO2-Preises auf Kraftstoffe wichtig. Das Angebot von Bussen und Bahnen muss ihm zufolge deutlich ausgebaut werden, um den vorgesehenen Rechtsanspruch umsetzen zu können. Fahrdienste könnten daneben in Regionen oder zu Zeiten, in denen der klassische ÖPNV aufgrund geringer Nachfrage nicht sinnvoll sei, eine Anschlussfunktion übernehmen. Dabei sei es denkbar, dass sich die Mindeststandards für die Erreichbarkeit "zwischen ländlichen und städtischen Regionen unterscheiden".

Um zu zeigen, wie der Hausanschluss aussehen und wie sich damit die Erreichbarkeit und Lebensqualität in abgelegenen Regionen steigern lassen könnte, hat der vzbv ein Gutachten bei der Berliner Beratungsfirma KCW in Auftrag gegeben. Die Forscher schlagen darin vor, die vorhandenen öffentlichen Verkehrsangebote "durch ein hierarchisch gegliedertes Verkehrssystem und Integration der Verkehrsmittel, Taktverdichtung und Ausweitung der Betriebszeiten" zu stärken und aufzuwerten. Parallel solle eine gesetzliche Regel "für bundesweit verbindliche Standards für den Zugang zum öffentlichen Verkehr" geschaffen werden.

Die Gutachter plädieren ferner für einen "leichten und vollumfänglichen Zugang zu Echtzeitinformationen" im ÖPNV. Der Gesetzgeber soll zugleich "digitale Vertriebskanäle auch für Dritte" öffnen und so Angebote im Bereich "Mobility as a Service" stärken. Sammel-Fahrdienste per App müssten erlaubt und reguliert sowie in Räumen und Zeiten schwacher Nachfrage speziell gefördert werden.

Von einem "lückenlosen öffentlichen Mobilitätsangebot" sei Deutschland noch weit entfernt, räumen die Analysten ein. Der ÖPNV biete in größeren Städten zwar eine Verkehrsbedienung, die als "Nahversorgung Mobilität" umschrieben werden könne. Selbst in den hiesigen Metropolen gebe es aber immer noch beachtenswerte Lücken zwischen Haustür und Haltestelle. Auch der Takt sei keinesfalls durchgehend so dicht, dass eine Versorgung jederzeit gegeben sei. Schon aufgrund der "angespannten Parkplatzsituation" sei das eigene Auto in Städten aber auch keine echte Alternative. Dazu komme, "dass der private Pkw deutlich höhere ökologische Kosten verursacht als öffentliche Mobilitätsangebote und die Lebensqualität vieler Menschen beeinträchtigt".

App-Fahrdienste könnten so laut den Experten "bestimmte Lücken im öffentlichen Mobilitätsangebot schließen" und einen Beitrag dazu leisten, "dass die Vision vom Hausanschluss Mobilität "ein Stück weit realer wird". Bislang agierten Anbieter wie Uber oder Berlkönig in Deutschland aber entweder in Graubereichen oder ihre Dienste sind nur als befristete "Experimente" erlaubt. Damit sie klassische öffentliche Verkehre sinnvoll ergänzten und nicht etwa kannibalisierten, müssten im Personenbeförderungsgesetz "die richtigen Vorgaben zur Regulierung festgeschrieben werden". Eine Universallösung stellten die Smartphone-Plattformen allein aber auch nicht dar. Nötig seien physische und virtuelle Infrastrukturen, um die unterschiedlichen Angebote miteinander sinnvoll verknüpfen zu können. (jk)