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Verleger verlangen mehr Respekt vor "geistigem Eigentum"

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Europäische Verleger haben auf einer Tagung in Brüssel Regulierungen gefordert, durch die die Herausgeber von Zeitungen, Zeitschriften, Büchern und anderen Druckerzeugnissen im digitalen Zeitalter bestehen können. So solle auch die Pressefreiheit gesichert werden, heißt es in einer Mitteilung. Die Verlagsbranche fordert vor diesem Hintergrund Respekt vor "geistigem Eigentum" und streicht hier besonders von Google angeblich ausgehende Gefahren hervor. An der Konferenz haben auch die EU-Kommissarinnen Viviane Reding und Margot Wallström teilgenommen.

Der Vorsitzende des Verlegerverbands European Publishers Council (EPC), Francisco Pinto Balsemão, meint laut Medienberichten, Google und andere Unternehmen würden mit ihren Geschäftsmodellen das bisherige Copyright-Modell umkehren und ihre Umsätze auf Kosten anderer machen. Durch frei verfügbare Inhalte würden die Verbraucher ins Internet gezogen. Dies müsse sich ändern. Balsemão unterstützt das Vorgehen der französischen Nachrichtenagentur AFP, die Anfang dieses Jahres von Google gefordert hat, AFP-Meldungen aus dem Newsdienst zu entfernen.

Viviane Reding bilanzierte auf dem Treffen die Antworten auf eine Konsultation zur Konkurrenzfähigkeit des Verlagswesens und hob die Bedeutung eines starken Copyright-Systems hervor. Die beteiligten Verleger hätten sie darauf hingewiesen, dass der Übergang zum elektronischen Publizieren nicht einfach sei. Aus allen der rund 30 eingegangenen Antworten gehe aber Optimismus hervor, dass er gelingen werde. Ein Wettbewerbsvorteil sei dabei, dass die Verlage bestehende Marken nutzen können. Reding beschrieb Marken als "mächtiges Werkzeug". Es gebe bereits Menschen, die sich beispielsweise das Logo des iPod von Apple eintätowieren ließen.

Die Kommissarin riet dazu, Geschäftsmodelle wie die des US-Amerikaners Craig Newmark, der vor zehn Jahren die Website Craig's list installierte, im Auge zu behalten. Newmark behaupte, der Nachrichtenjournalismus habe in der US-Öffentlichkeit an Vertrauen verloren. Er setze nun auf "Bürgerjournalismus" mit Hilfe von Bloggern. Solche und andere Versuche könnten zu neuen Geschäftsmodellen führen. Newmark schrieb kürzlich in seinem Weblog, er sehe Bürgerjournalismus als Ergänzung zum "Mainstream-Journalismus". (anw)