Verleger warnen vor Online-Expansion von ARD und ZDF

Auch der Verband der deutschen Zeitschriftenverleger kritisiert die Pläne der Öffentlich-Rechtlichen und fordert, der Online-Offensive von ARD und ZDF klare Grenzen zu setzen.

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Von
  • Volker Briegleb

Vor einem "gebührenfinanzierten Angriff auf die freie Presse im Internet" warnen die deutschen Zeitschriftenverlage und fordern die Ministerpräsidenten der Bundesländer auf, den Expansionsplänen der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten im Internet klare Grenzen zu setzen. Nicht weniger als die Zukunft der freien Presse stehe auf dem Spiel, sollte der Auftrag von ARD und ZDF um Online-Medien und andere digitale Dienste erweitert werden und die ohnehin "schwierigen Rahmenbedingungen zur Finanzierung der Online-Presse durch staatlich finanzierte Konkurrenz noch weiter verschlechtert", fürchtet der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ).

Denn dann, so erklärt der VDZ-Experte für Medienpolitik, Christoph Fiedler, gebe es eine "öffentlich-rechtliche Presse online", die ARD und ZDF allerdings nur "als programmbegleitende Randnutzung" anbieten dürften. "Angesichts der Vielfalt der freien Online-Presse fehlt für eine zusätzliche öffentlich-rechtliche Grundversorgung im Internet jegliche Legitimation". Nicht nur würde die "wirtschaftliche Basis der freien Presse" – die zur Digitalisierung "gezwungen" sei – gefährdet, sondern auch die Pressevielfalt im Netz.

Der VDZ fordert hier klare Grenzen – und bekommt dafür auch Rückendeckung aus der Politik. Die Öffentlich-Rechtlichen sollen sich über TV- und Hörfunkangebote hinaus auf "programmbegleitende Randnutzung" beschränken. Einen "Freibrief für 'journalistische' Inhalte" dürfe es nicht geben. Die Begrenzung des Online-Budgets der Anstalten solle beibehalten werden. Darüber hinaus fordern die Verlage ein Verbot von Werbung oder anderen Formen der Kommerzialisierung für öffentlich-rechtliche Internetangebote. Auch die Überlassung redaktioneller Inhalte an Dritte wollen die Zeitschriftenverleger unterbunden wissen. Schließlich müssten sich die Angebote einem "Public-Value-Test" unterziehen, ob die EU-Vorgaben zu staatlichen Beihilfen eingehalten werden.

Allerdings ist die vom VDZ beschworene Online-Vielfalt nicht nur den klassischen Print-Medien zu verdanken. Deren Online-Strategie war lange davon geprägt, das gedruckte Produkt möglichst zu schützen; das Internet wurde weniger als Chance denn als Bedrohung verstanden. Geld verdienen lasse sich da nicht, war das gängige Mantra. Das war auch kein Wunder: Angebote etablierter Medien wetteifern immer noch mit immer gleichen Agenturmeldungen und verstecken ihre eigenen Inhalte gerne in kostenpflichtigen Bereichen, in die sich kaum ein Nutzer verirrt. Dabei halten sich kleine, eigenständige und rein werbefinanzierte Angebote schon seit geraumer Zeit im Netz. Sie haben eine Nische gefunden, die genug Leser anspricht, um den Betrieb mit einem kleinen Team finanzieren zu können und damit sogar das Platzen der Dotcom-Blase überlebt.

Inzwischen nehmen allerdings immer mehr große Anbieter Abschied von der Strategie bezahlter Inhalte, die Experten schon vor Jahren für tot erklärt hatten. Mit dem weiter wachsenden Online-Werbekuchen lassen sich inzwischen auch aufwendige Angebote darüber finanzieren. Ein großes Stück dieses Kuchens geht an die etablierten Marken der traditionellen Medienhäuser, die zahlreiche Seitenabrufe melden können und jetzt wieder verstärkt in Online investieren. Öffentlich-rechtliche – und damit gebührenfinanzierte – Konkurrenz, die Besucher und damit relevante "Page Impressions" abzieht, ist da eher unerwünscht. Andererseits hat bisher auch noch keine höhere Macht entschieden, der Internetmarkt müsse den privat finanzierten Medien zur Aufteilung überlassen werden. (vbr)