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Verleihung des Axel Springer Awards: Tim Berners-Lee kritisiert Hass und Manipulation im WWW

Er gilt als Erfinder des World Wide Web. Für seine Verdienste ist Tim Berners-Lee jetzt mit dem diesjährigen Axel Springer Award ausgezeichnet worden. An dem Netz in der heutigen Form hat der Internet-Pionier allerdings einiges auszusetzen.

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Tim Berners-Lee

(Bild: dpa, Martial Trezzini/Archiv)

Der diesjährige Axel Springer Award geht an den britischen Physiker und Informatiker Tim Berners-Lee. Der 61-Jährige, der am Dienstagabend in Berlin ausgezeichnet wurde, gilt als Erfinder des World Wide Web. So entwickelte er unter anderem die Hypertext Markup Language (HTML), ohne die es das Web in seiner heutigen Form nicht gäbe.

"Nach Sprache, Schrift und Druck ist das World Wide Web das vierte Kommunikationsglück der Menschheit. Dass wir es nutzen können, haben wir Sir Tim Berners-Lee zu verdanken", erklärte der Vorstandsvorsitzende der Axel Springer SE, Mathias Döpfner. Sein Beitrag zur Verbreitung von Wissen, das Menschen miteinander teilen können, sei ein unschätzbar wertvolles Geschenk. Umso bemerkenswerter sei es, dass Berners-Lee "heute so engagiert auf einige kritische Entwicklungen hinweist".

Sir Timothy Berners-Lee während der Verleihung

(Bild: Axel Springer / Daniel Biskup)

Der Brite nutzte die Preisverleihung durchaus auch, um aktuelle Probleme und Missstände im Netz hervorzuheben. "Wenn Dinge größer werden, werden sie komplizierter", erklärte er. So kritisierte er Hasskommentare, die sich heutzutage auf Twitter in Windeseile verbreiteten oder die Manipulation der politischen Willensbildung im Netz. Kürzlich prangerte der Wissenschaftler die Verbreitung von Falschmeldungen und den Kontrollverlust über die persönlichen Daten etwa bei Google und Facebook an.

Berners-Lee ist Professor am Massachusetts Institute of Technology (MIT) und außerdem Vorstand der World Wide Web Foundation. Vor fast 30 Jahren verfasste er am europäischen Kernforschungszentrum CERN bei Genf seine Pläne für ein globales System, in dem Hypertext-Information geteilt werden kann. 2004 wurde er von der britischen Queen zum Ritter geschlagen. Bis heute engagiert sich der 61-Jährige für ein für alle zugängliches Netz. Auch am Dienstag appellierte er, an einem offenen, demokratischen Web festzuhalten.

Laudator Sascha Friesike, Professor für digitale Innovation an der Vrije Universiteit Amsterdam, erklärte, es sei damals eine bewusste Entscheidung Berners-Lees gewesen, seine Erfindung offen zu halten für Weiterentwicklungen. Friesike lobte, dass der Internet-Pionier sein Web nicht in eine Firma überführt, den Zugriff restriktiv gehandhabt oder versucht habe, es zu monetarisieren – ein Weg den viele andere gegangen wären. Stattdessen habe er mit dem Web eine Mega-Erfindung entwickelt, die noch 30 Jahre später ein Katalysator für Dienste und Plattformen sei, die alle Aspekte unseres Lebens prägten.

Mark Zuckerberg und Mathias Döpfner während er Verleihung im Jahr 2016

(Bild: Axel Springer)

Den undotierten Axel Springer Award erhalten nach Angaben des Medienkonzerns herausragende Persönlichkeiten, die in besonderer Weise innovativ sind, Märkte schaffen und verändern und sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung stellen. Bei der Premiere im vergangenen Jahr wurde – und das ist ein ziemlicher Kontrast zu dem diesjährigen Preisträger – Facebook-Gründer Mark Zuckerberg ausgezeichnet. (dpa) / (kbe)

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