Vernetzte Autoherstellung: BMW startet 5G-Pilotprojekt

Viele Industrieunternehmen wollen WLAN in der Produktion mit 5G ergänzen. Manche planen und bauen die 5G-Campusnetze selbst, andere kaufen den Dienst ein.

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BMW Group, Dingolfing: Einsatz des innovativen Arbeitshandschuhs ProGlove im Lager.

(Bild: BMW)

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Wie im Sommer 2019 angekündigt, hat BMW sein erstes Pilotprojekt zur Mobilfunkvernetzung seiner Autoherstellung in Deutschland gestartet. Die auf das Werksgelände in Dingolfing beschränkte 5G-Infrastruktur (Campusnetz) gehört zum Forschungsprojekt "Autonomous and Connected Logistics" und soll die weitere Automatisierung von Produktionsabläufen fördern. BMW führt als Anwendungsbeispiele autonome Transportsysteme, Logistikroboter und mobile Geräte auf, die "miteinander und dem Leitsystem kommunizieren".

Im Rahmen des Forschungsprojekts arbeitet BMW auch mit dem Maschinenbauunternehmen Stäubli WFT zusammen, das autonome Transportlösungen für die Fahrzeugproduktion entwickeln soll. Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt vom Institut für Engineering Design of Mechatronic Systems & MPLM. Rund 3,2 Millionen Euro steuert das Land Bayern aus dem Fördertopf der Forschungs- und Entwicklungsinitiative "Regionalverbünde Autonomes Fahren" bei. Etwa 4,8 Millionen Euro zahlt BMW in das Forschungsprojekt ein.

Viele Industrieunternehmen nutzen für die drahtlose Vernetzung ihrer Maschinen und Prozesse bisher WLAN. Die Technik ist zwar preiswert und etabliert, genügt aber diversen Produktionsanforderungen nicht, sodass sie mit 5G-Technik ergänzt wird. Beispielsweise lassen sich mit gängigen WLAN-Systemen bis zur IEEE-Spezifikation 802.11ac keine festen Signallaufzeiten (Latenz) für bestimmte Geräte oder Dienste zuteilen.

Eine kleinteilige Verkehrskontrolle, wie sie für zeitkritische Anwendungen erforderlich ist, lässt sich mit WLAN daher nicht umsetzen. Auch sind WLAN-Infrastrukturen kaum gegen Störungen durch mitgebrachte private Geräte abzuschirmen, sodass viele Industrieunternehmen ihre Hoffnung auf industrielle 5G-Netze setzen, für die die Bundesnetzagentur erst im Herbst 2019 einen eigenen 100 MHz breiten Funkbereich reserviert hat.

Interessanterweise hat BMW die Netzplanung und den Betrieb seines 5G-Campusnetzes an das Rosenheimer Unternehmen M3connect ausgegliedert. Parallel suchen die Rosenheimer, die sich in der Vergangenheit als Spezialisten für WLAN-Infrastrukturen etabliert haben, Verstärkung für ihr 5G-Team.

Das in China ansässige Joint Venture BMW Brilliance Automotive hat bereits alle drei seiner Werke flächendeckend mit einem 5G-Mobilfunknetz ausgestattet. Langfristig wollen die Münchener weltweit an allen Werksstandorten 5G-Netze aufbauen.

Auch der Aachener Elektroautohersteller e.Go betreibt sein Campusnetz nicht selbst, sondern kauft den Dienst vom Netzbetreiber Vodafone ein. Der weltgrößte Autohersteller Volkswagen, der wie viele andere Industrieunternehmen ebenfalls ein Campusnetz vorbereitet, hat noch nicht entschieden, ob er es selbst aufbaut und betreibt, oder den Service von einem Dienstleister einkauft. (dz)