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Verschlüsselt Kabel Deutschland künftig mit NDS Videoguard? [Update]

Die Mitteilung, die NDS (siehe Update am Ende des Artikels) heute verschickt hat, lässt selbst Experten rästeln: "Als größter Kabelnetzbetreiber und Triple-Play-Anbieter in Deutschland entscheidet sich Kabel Deutschland für NDS als Technologiedienstleister, um den weiteren Aufbau der Digital-TV-Plattform mit einer Systemlösung zu gestalten", ist darin zu lesen. Für Nachfragen war bislang niemand zu erreichen.

Klar ist momentan lediglich, dass Kabel Deutschland (KDG) sein Digital-TV-Programm (mit Ausnahme der öffentlich-rechtlichen Angebote) aktuell mit Nagravision verschlüsselt. Fest steht ebenso, dass ein schneller Wechsel von Nagra auf NDS Videoguard nicht so einfach möglich ist: Zu viele KDG-Kunden besitzen noch DVB-C-Receiver, die sich nicht einfach auf das neue Verschlüsselungsverfahren umstellen ließen. Unwahrscheinlich ist, dass KDG sich zum Austausch aller dieser Receiver durchringt.

Eine Lösung wäre eine Doppelstrategie [1], wie sie Premiere im Satelliten-TV-Bereich seit dem zweiten Quartal 2008 fährt [2]: Dabei werden Receiver, bei denen die Umstellung möglich ist, mit einem Videoguard-Zwangsupdate versehen, während die übrigen weiterhin Nagravision nutzen dürfen. Um alle Lücken zu schließen, wäre auch hier eine große Kartenaustauschaktion Pflicht.

Vorstellbar ist aber auch ein anderer Weg: Alle bisherigen Kunden behalten Receiver (und bekommen eventuell neue Nagravision-Karten), während KDG bei neuen Digital-TV-Angebot ausschließlich NDS Videoguard einsetzt. Wer das neue Angebot nutzen möchte, bräuchte dann einen Videoguard-kompatiblen Receiver. Am einfachsten wäre ein solcher Schnitt natürlich mit HDTV-Angeboten zu vollziehen, da deren Verbreitung unter Kabelkunden bislang vergleichsweise gering ist und sich das Humax-Modell Humax PR-HD 1000 C (wie sein DVB-S-Bruder [3]) recht einfach auf NDS Videoguard umstellen ließe.

Nagravision-verschlüsselte Digital-TV-Programme lassen sich auch mit DVB-Empfängern anschauen (und aufzeichnen), die nicht den offiziellen Segen von Kabel Deutschland haben. Benötigt wird hierfür lediglich ein Receiver mit Common Interface (CI), in das ein passendes Conditional Access Module (CAM) wie Mascoms Alphacrypt (Light) samt Smartcard eingeführt wird. Für NDS Videoguard steht ein solches CAM bislang hingegen nicht zur Verfügung; nach unserer Kenntnis sind lediglich die Dreamboxen DM800 und DM8000 mit inoffiziellen Firmware-Fassungen in der Lage, Videoguard-Smartcards auszulesen.

[Update]
Auf Nachfrage teilte Kabel Deutschland gegenüber heise online mit, dass man selbst die besagte Pressemitteilung nicht veröffentlicht habe. Tatsächlich stamme diese von NDS. Diese Feststellung lässt den Schluss zu, dass KDG nicht besonders glücklich über die Verbreitung der Neuigkeiten zu diesem Zeitpunkt ist. Dennoch werde sich der Provider nach Angaben einer Sprecherin in naher Zukunft zu den Auswirkungen der in der Mitteilung angesprochenen Vereinbarungen äußern. (nij [4])


URL dieses Artikels:
http://www.heise.de/-216779

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/meldung/Premiere-stellt-Verschluesselung-seines-Satelliten-TV-Angebots-auf-NDS-um-199440.html
[2] https://www.heise.de/meldung/Premiere-stellt-Verschluesselung-seines-Satelliten-TV-Angebots-auf-NDS-um-199440.html
[3] https://www.heise.de/meldung/Premiere-veroeffentlicht-Liste-mit-Receivern-fuer-Videoguard-Update-187048.html
[4] mailto:nij@ct.de