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Versicherung wollte Höhe der Kfz-Versicherung aus Facebook-Posts errechnen Update

Versicherung errechnet Höhe der Kfz-Versicherung aus Facebook-Posts

(Bild: admiral.com)

Der britische Versicherer Admiral wollte Kunden einen Beitragsnachlass bieten, wenn sie ihr Facebook-Profil offenlegen und es analysieren lassen. Dem hat das soziale Netzwerk inzwischen einen Riegel vorgeschoben.

Fahranfänger müssen für gewöhnlich höhere Beiträge zur Kfz-Haftpflichtversicherung zahlen als Verkehrsveterane. Die britische Versicherung Admiral wollte ihnen aber nun eine Vergünstigung anbieten, wenn sie sich anhand ihres Facebook-Profils durchleuchten lassen, geht aus einer Mitteilung hervor [1]. Dadurch hätten sie nicht erst mit den Jahren auf tiefere Beitragsstufen hinabsteigen, sondern den Weg abkürzen können. Inzwischen hat Facebook aber reagiert und das Vorgehen unterbunden (s. unten).

Es sei bereits erwiesen, dass Posts in sozialen Medien auf die Bonität eines Nutzers rückschließen lassen, schreibt die Versicherung. Nun sei es auch wissenschaftlich erprobt, dass manche Persönlichkeitsmerkmale auf ein höheres Unfallrisiko schließen lassen. Diese würden aber nicht von herkömmlichen Fragebögen erfasst.

Deshalb sollten Fahranfänger für den "firstcarquote" genannten Tarif ihr Facebook-Profil offenlegen und dadurch möglicherweise einen Beitragsnachlasss von bis zu 15 Prozent bekommen. Der Nachlass hätte noch höher ausfallen können, wenn sich die Kunden zusätzlich eine Blackbox in ihr Fahrzeug einbauen lassen, die ihre Fahrweise aufzeichnet.

Die Posts sollten beispielsweise nach Hinweisen drauf durchkämmt werden, ob ein Kunde zu selbstsicher auftrete, schreibt der Guardian [2]. Das könnte ein übermäßiger Gebrauch von Ausrufezeichen oder von Begriffen wie "immer" oder "nie" statt des Wortes "vielleicht" sein. Das könne gegen den Kunden ausgelegt werden.

Admiral hatte versichert, nicht laufend neu auf die Facebook-Daten der Kunden zugreifen zu wollen, sondern lediglich einen "Schnappschuss" der aktuellsten Einträge zu erstellen. Dabei sollten auch nur Posts berücksichtigt werden, die der Kunde selbst eingestellt hat. Der Beitragsnachlass sollte durch Vergleich mit den Facebook-Einträgen anderer Kunden errechnet werden.

Verhaltensabhängige Kfz-Versicherungsbeiträge könnten in Deutschland auf fruchtbaren Boden fallen. In einer GfK-Umfrage äußerten sich 68 Prozent der Bundesbürger positiv dazu, wenn aufgrund des eigenen Verhaltens vorsichtige Autofahrer mit geringeren Prämien belohnt werden und Raser mehr zahlen müssen [3]. Allerdings stellt sich eine breite Mehrheit gegen einen Datentransfer an Versicherungshäuser, der die Basis für derlei Tarifanpassungen bilden würde.

[Update 02.11.2016 – 13:15 Uhr] Am Tag der Einführung hat Facebook den Plänen von Admiral einen Riegel vorgeschoben. Wie die BBC berichtet [4], hat das soziale Netzwerk unter Berufung auf die eigenen Datenschutzregeln verhindert, dass Admiral Nutzereinträge zu diesem Zweck auswertet. Es werde lediglich erlaubt, dass die Versicherung Kunden über ihren Facebook-Account verifiziert. Für die Berechnung des Tarifs würden aber nur Antworten auf einen Fragebogen ausgewertet, keine Facebook-Einträge. Die Meldung wurde entsprechend korrigiert. (anw [5])


URL dieses Artikels:
http://www.heise.de/-3454410

Links in diesem Artikel:
[1] http://www.admiral.com/car-insurance/firstcarquote/
[2] https://www.theguardian.com/technology/2016/nov/02/admiral-to-price-car-insurance-based-on-facebook-posts
[3] https://www.heise.de/meldung/Umfrage-Mehrheit-fuer-verhaltensabhaengige-Versicherungstarife-3412962.html
[4] http://www.bbc.com/news/business-37847647
[5] mailto:anw@ct.de