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Verspätungen bei SpaceX und Boeing: NASA könnte Zugang zur ISS verlieren

Ende des Jahres wollen SpaceX und Boeing die ersten bemannten Testflüge ihrer Raumkapseln unternehmen. Nur wenn bis dahin und danach alles klappt, könnte die NASA auch weiterhin Astronauten zur ISS schicken, warnen nun Experten.

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Verspätungen bei SpaceX und Boeing: US-Rechnungshof sorgt sich um Zugang zur ISS

So soll Boeings Starliner einmal um die Erde kreisen.

(Bild: Boeing)

Der US-Rechnungshof GAO (Government Accountability Office) ist besorgt, dass die USA ihren Zugang zur Internationalen Raumstation verlieren könnten, weil sich die Raumtransporter von SpaceX und Boeing immer weiter verspäten. Das erklärte Christina Chaplan von der Behörde in einem Bericht und am Mittwoch auch vor einem Ausschuss des Repräsentantenhauses. Demnach ist sie bei ihrer Analyse zu dem Schluss gekommen, dass die Risiken der "aggressiven" Zeitpläne der beiden Unternehmen nun real geworden seien. Verzögerungen und noch ausstehende Zertifizierungen machten es fraglich, dass die Vereinigten Staaten nach 2019 Astronauten zur ISS senden könnten.

Anders als bei früheren Programmen hat die NASA externe Unternehmen mit der Entwicklung von Raumtransportern für künftige Flüge in den erdnahen Orbit und zur ISS beauftragt. Die milliardenschweren Bestellungen gingen schließlich an Boeing und SpaceX, die 2017 regelmäßige bemannte Flüge aufnehmen wollten. Das haben beide nicht geschafft und gegenwärtig sind bemannte Testflüge für Ende 2018 beziehungsweise Anfang 2019 angesetzt. Erst danach – also ab Anfang 2019 – kann die US-Weltraumagentur NASA damit beginnen, die Dragon-Kapsel (SpaceX) und den Starliner (Boeing) für ihre Missionen zu zertifizieren. Nur wenn es bei diesem Zeitplan keinerlei Verzögerungen mehr gibt, kann die NASA darauf hoffen, ab Ende 2019 wieder selbst Astronauten zur ISS zu schicken.

Die Dragon V2 von SpaceX (13 Bilder)

Vorstellung der Kapsel Dragon V2 für bemannte Raumflüge im Mai 2014
(Bild: SpaceX)

Seit dem Ende der Space Shuttle ist die NASA für bemannte Flüge zur ISS auf Russland und die Sojus-Raketen angewiesen. Nachdem eigentlich schon 2017 Schluss sein sollte mit diesen Mitfluggelegenheiten, hat die NASA zuletzt Plätze bis Ende 2019 gebucht. Von der Buchung bis zum Flug dauere es aber typischerweise drei Jahre, weswegen die NASA danach ohne Möglichkeit dastehen könnte, eigene Astronauten zur ISS zu bringen. Deswegen müsse es eine machbare Alternative geben, schreibt der Rechnungshof. Die NASA könnte zum Beispiel das erlaubte Risiko erhöhen. Zertifizieren will sie nur einen Raumtransporter, bei dem höchstens auf einem von 270 Flügen ein tödlicher Unfall passieren kann. Bei dem Space-Shuttle-Programm lag das Risiko zuletzt bei einem tödlichen Unfall auf 90 Flügen. Die Parlamentarier haben diesem Vorschlag schon widersprochen, schreibt The Verge.

Insgesamt geht aus dem Bericht und der Anhörung hervor, dass die NASA den Aussagen ihrer kommerziellen Partner nicht ganz traut, fasst das US-Portal zusammen. Die bisherige Geschichte des Commercial Crew Programs gibt der US-Weltraumagentur dabei durchaus Recht. Bei den aktuellen Zeitplänen kommt außerdem hinzu, dass die beiden Programme parallel geprüft und zertifiziert werden müssten, was Ressourcen bindet. Außerdem haben beide Unternehmen technische Risiken eingeräumt, deren Behebung teilweise eine Weile dauern würde. Bei Boeing etwa könnte unter gewissen Umständen der Bremsfallschirm bei der Landung beschädigt werden. Sollte die NASA das Risiko nicht akzeptieren, wäre eine Neukonstruktion nötig – und eine Verzögerung um sechs Monate. (mho)

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