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Verwaltungsfehler: Datenleck zwingt Londoner Familie zum Umziehen

Weil ein Behörden-Anwalt einem Brief ein falsches Dokument beigefügt hatte, muss eine Familie nun ihren Namen und Wohnsitz ändern.

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Akten, Symbolbild

(Bild: Pixabay )

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Datenlecks, ob sie nun durch Hackerangriffe oder Unachtsamkeit ausgelöst werden, sind für die Betroffenen immer unangenehm. In den meisten Fällen, vor allem wenn Hunderttausende oder sogar Millionen von Datensätzen öffentlich im Netz landen, halten sich die konkreten Folgen für betroffene Privatpersonen allerdings in Grenzen. Der schludrige Umgang mit den Daten einzelner Betroffener kann aber auch krasse Folgen haben. So geschehen im Nordlondoner Regierungsbezirk Hackney, wo eine Familie nun wegen eines Bürokratiefehlers in der Verwaltung sogar gezwungen war, ihren Wohnsitz und Namen zu ändern.

Die Familie hatte 2016 ein Kind adoptiert. Es ist in Großbritannien üblich, die Identität der Adoptivfamilie bei Adoptionen von Kindern aus problematischen Familienverhältnissen strikt geheim zu halten. Ein Rechtsanwalt der Verwaltung von Hackney hatte in der Ankündigung einer gerichtlichen Anhörung, die an die natürlichen Eltern des Kindes verschickt wurde, aber versehentlich die persönlichen Daten der Adoptiv-Familie genannt.

Die Adoptiveltern beschwerten sich bei der Verwaltung und nach Gesprächen mit Vertretern der Verwaltung und der Polizei kam man zu dem Schluss, dass die Familie ihren Namen ändern und umziehen müsse, um sich und das Adoptivkind zu schützen. Die Verwaltung von Hackney hat dementsprechend nun 106.000 Pfund (umgerechnet knapp 118.000 Euro) ausgezahlt, um den Umzug zu finanzieren und die Familie zu entschädigen. Zum konkreten Hintergrund der erforderlichen Sicherheitsmaßnahmen in diesem Fall machen die Behörden keine Angaben.

Ein Sprecher der lokalen Schiedsstelle des Sozialamtes teilte laut der Lokalzeitung Hackney Gazette mit, dass die Schuld der Behörde nie in Frage gestanden habe. "Die Verwaltung hat den Fehler sofort zugegeben und entsprechend gehandelt. Man hat die Betroffenen direkt über potenzielle Risiken informiert und ihnen Hilfe angeboten. Ich bin mit dem Verhalten der Behörde zufrieden." Eigentlich hätte der Anwalt der Behörde den Namen, die Adresse und andere Informationen der Adoptiv-Familie aus den an die andere Familie verschickten Dokumenten zensieren müssen. Der Behördenvertreter hatte versehentlich ein Originaldokument statt der zensierten Version beigelegt – ein Flüchtigkeitsfehler mit gravierenden Folgen. (fab)