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Verwertungsgesellschaften kritisieren Commons-Projekt als urheberrechtsfeindlich

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Die Creative-Commons-Bewegung spielt nach Ansicht von Brett Cottle, Aufsichtsratsvorsitzender der internationalen Dachgesellschaft von Verwertungsgesellschaften CISAC, den Gegnern des klassischen Urheberrechtes und des Systems der Verwertungsgesellschaften in die Hände. Das sagte Cottle, der auch Chef der australischen Verwertungsgesellschaft APRA ist, beim Streitgespräch mit Creative-Commons-Gründer und Standford-Professor Lawrence Lessig beim ersten CISAC-Urheberrechtsgipfel gestern in Brüssel. In einer hitzigen Debatte sah sich Lessig heftiger Kritik durch die versammelten Vertreter von Verwertungsgesellschaften und durch anwesende Künstler ausgesetzt.

Lessig hatte 2002 die Lizenzierungsplattform Creativ Commons mit in die Welt gesetzt. Musikern, Filmemachern, Autoren und Programmierern will sie ermöglichen, ihre Wunschlizenzen zusammenzustellen. Dadurch soll die freie Nutzung geistigen Eigentums gefördert und ihre Überführung in den Bereich der Gemeingüter vereinfacht werden. Die Plattform hat in Cottles Augen falsche Erwartungen bei vielen Autoren geweckt, die im klassischen Urheberrechtssystem kaum Aussicht auf einen finanziellen Erfolg gehabt hätten. Gleichzeitig schwäche das Lizenzmodell die Verwertungsgesellschaften und werde aktiv von denen ausgenutzt, die das Urheberrecht umkrempeln oder ganz abschaffen wollten.

"In jeder großen Debatte zwischen Autoren, Verwertungsgesellschaften und den Nutzern von Inhalten über den Wert des Lizenzsystems wird ein Vertreter von Creative Commons gegen uns aufgeboten", beschwerte sich Cottle. Regelmäßig würden die Verwertungsgesellschaften als unflexbiel gescholten. "Wenn das Commons-Projekt irgendetwas erreichen will, muss es einen Weg finden, mit den Autoren zu kooperieren", meint Cottle. Von den Commons als der jüngeren Organisation sei auch ein gewisser "Respekt" zu erwarten. Lessig verteidigte das Commons-Projekt als ein "Werkzeug" für die Autoren und Kreativen, die eine nichtkommerzielle Nutzung ihrer Werke zulassen, dabei aber ihre Urheberrechte wahren wollten.

Lessig stellte sich entschieden hinter das Urheberrecht und die Verwertungsgesellschaften, forderte aber auch eine Abkehr von dem Denken der Verwertungsgesellschaften, dass das kommerzielle Modell das einzig mögliche sei. Neben der klassischen Vermarktung von Inhalten und der Vertretung von professionellen Autoren gebe es ein "zweites wirtschaftliches, das Sharing-Modell". 50 bis 100 Millionen Treffer führten derzeit zu Werken, die unter Creative-Commons-Lizenzen gestellt wurden. Diese Urheber hätten aber in der Regel "niemals die Absicht gehabt, ihre Werke ins urheberrechtliche Verwertungssystems zu geben". Als Akademiker sei man zum Beispiel in erster Linie an einer weiten Verbreitung seiner Werke interessiert.

Trotz der Differenzen stehen die Creative Commons und "einige Verwertungsgesellschaften" aber nach wie vor in Verhandlungen darüber, dass Mitglieder von Verwertungsgesellschaften einzelne Werke auch unter Commons-Lizenzen veröffentlichen können. Das ist bisher nicht möglich, erläuterte Cottle. Lessig sagte: "Wir hoffen auf schon bald auf eine Einigung." (Monika Ermert) / (anw)