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Verwirrende Wahlmaschinen

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Ben Bederson, Dozent am "Human-Computer Interaction Lab" der University of Maryland, hat zusammen mit einem Team von Wissenschaftlern mehrerer US-Hochschulen eine Langzeitstudie durchgeführt, die die aktuelle Generation der in Nordamerika eingesetzten Wahlcomputer auf ihre Verlässlichkeit abklopfen sollte. Das Ergebnis: Die Geräte müssen nicht nur sicherer werden, sondern vor allem in Sachen Usability zulegen. "Sicherheit ist wichtig, doch das ist eigentlich einer der Bereiche, in denen die Maschinen nicht ständig versagen", sagte Bederson gegenüber der Online-Ausgabe des Technologiemagazins Technology Review.

Die Ergebnisse der Forscher sind ernüchternd – und deuten auf deutliche Bedienprobleme bei den derzeit verwendeten Geräten hin. In der Studie wurden Testpersonen gebeten, bei einer Versuchswahl für bestimmte Kandidaten abzustimmen. Die Wissenschaftler verglichen dann die von den verschiedenen Wahlmaschinen erfassten Ergebnisse mit dem tatsächlichen Wählerwunsch. Doch selbst bei dieser einfachsten aller Aufgaben, einer fiktiven Präsidentschaftswahl mit nur einer Bildschirmansicht, lag die Fehlerrate im Schnitt bei drei Prozent. Verkomplizierte man die Aufgabe weiter, etwa indem der Wähler seine Auswahl von einem zum anderen Kandidaten ändern sollte, lag die Versagensquote noch höher – je nach System bei 7 bis 15 Prozent.

Obwohl das schlechte Ergebnis in der Studie nicht unbedingt bedeuten muss, dass die Fehlerrate in echten Wahlen gar so hoch ausfällt, sieht Bederson doch Anlass zur Sorge – insbesondere im Hinblick darauf, wie knapp die US-Wahlen in jüngster Zeit ausfielen. In einem der Tests stellte die Forschergruppe fest, wie solche Probleme dazu führen können, dass ein anderer Kandidat gewinnt, als eigentlich mehrheitlich gewählt – und zwar immer abhängig davon, welche Maschine verwendet wurde. Die Forscher untersuchten Geräte von Diebold, Election Systems and Software (ESS), Avante Voting Systems, Hart InterCivic sowie Nedap Election Systems. Außerdem war ein Prototyp dabei, den Bederson selbst gebaut hatte.

Dieser Prototyp machte eine erstaunlich gute Figur – eine Tatsache, die laut Bederson deutlich macht, dass kommerzielle Systeme schnell und gründlich verbessert werden müssen. Das Modell besaß ebenfalls einen Touchscreen, bot aber die Möglichkeit, den ganzen Stimmzettel oder eine spezifische Wahl über eine Zoomfunktion nach vorne zu holen. Besonders peinlich für die kommerziellen Hersteller: Bederson testete seine Eigenentwicklung vorher kaum an echten Benutzern, demonstrierte im Versuch aber dennoch die niedrigste Fehlerquote bei der einfachsten Aufgabe.

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(bsc)