Verwirrung um AOL-Flatrate

Der Chef von AOL, Uwe Heddendorp, sorgt für Verwirrung um den Pauschaltarif des Online-Dienstes.

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Von
  • Axel Vahldiek

Der Chef des Online-Dienstes AOL, Uwe Heddendorp, sorgt durch eine Äußerung in einem Chat mit Lesern des Stern für Verwirrung. Er gab dort auf die Frage "Können Sie mir garantieren, dass, wenn ich von T-Online zu AOL wechsle, AOL die Flatrate in den nächsten Wochen nicht auch einstellt?" die Antwort: "Das hängt ganz wesentlich davon ab, ob die Deutsche Telekom ihrer Verpflichtung nachkommt, nicht nur AOL, sondern allen ISPs ein Angebot zu machen, das dies erlaubt". Heddendorp ergänzt die Anwort um den Nachsatz: "Von daher ist der Ausgang noch offen." Ähnliches hatte ein Sprecher von AOL bereits Anfang der Woche geäußert.

AOL kritisiert bereits seit längerem das vorliegende Angebot der Telekom zu einer Großhandelsflatrate als inakzeptabel und fordert Nachbesserungen. Allerdings sagte Telekom-Sprecher Frank Domagala gegenüber heise online, dass keinerlei Änderungen des Angebots einer Großhandelsflatrate geplant sind. Insofern klingt die Aussage von Heddendorp wie die Ankündigung, die Flatrate in den nächsten Wochen vom Markt zu nehmen. AOL-Sprecher Jens Nordlohne versicherte jedoch auf Nachfrage, dass das AOL-Flatrate-Angebot weiter bestehen bleibt: "Wir haben bezüglich einer Änderung der Flatrate nichts bekannt zu geben."

Gründe für eine Streichung der Flatrate oder zumindest eine Verteuerung gäbe es genug: Kein Anbieter einer Flatrate zum Preis von rund 80 Mark hat bisher damit Geld verdient, im Gegenteil. Nordlohne bestätigt dies für AOL: "Das ist ein Rechenexempel: Wenn man knapp 2 Pfennig pro Minute an die Telekom zahlen muss, kann man sich ausrechnen, wie lange ein Surfer online sein kann, bis es sich für den Provider nicht mehr rechnet." Andererseits sei das Geschäftsmodell von AOL für die Zukunft nicht darauf ausgelegt, dass die Kunden den Online-Zugang lediglich für den E-Mail-Abruf nutzen: "Wir benötigen Kunden, die lange im Internet sind und dort sämtliche Potenziale ausschöpfen. Nur dann macht E-Commerce Sinn. Und darauf ist das AOL-Geschäftsmodell für die Zukunft ausgerichtet", betonte Nordlohne.

Sollte AOL die Flatrate für 78 Mark tatsächlich einstellen oder verteuern, würde damit das letzte bundesweite Angebot in dieser Preisklasse vom Markt verschwinden: Seit der Streichung der T-Online-Flatrate gibt es sonst nur noch Flatrate-Angebote ab rund 200 Mark. (axv)