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Verwirrung um diakritische Zeichen im neuen Personalausweis [Update]

In einigen Meldeämtern soll die Software für die Registrierung bereits gedruckter neuer Personalausweise abstürzen, wenn der Name des Ausweisinhabers diakritische Zeichen enthält. Dies meldete die Frankfurter Rundschau. Demgegenüber betont die Bundesdruckerei, dass diese Zeichen bei der Ausweisproduktion keine Probleme bereiten: Bundesinnenminister de Maizière, einer der ersten Empfänger eines neuen Personalausweises, kann trotz des accent grave auf einen korrekt gedruckten Namen verweisen. Nur in der maschinenlesbaren Zone (MRZ) auf der Rückseite, die nach ICAO-Norm nur Großbuchstaben kennt, fallen diakritische Zeichen weg.

Das in Deutschland geltende Prinzip des Föderalismus ist in der Datenverarbeitung nicht unbedingt förderlich. Bund, Länder und Kommunen setzen höchst unterschiedliche Software für ihre Verwaltungsaufgaben ein. Beim neuen Personalausweis kommt ein Dutzend Frontends zum Einsatz, die von den Anbietern kommunaler Software geschrieben wurde. Dazu kommen von Bundesland zu Bundesland unterschiedliche Verfahren, wie die Änderungsterminals (ÄNTE) mit den Servern der Bundesdruckerei kommunizieren. Nach anfänglichen Problemen mit Citrix-Systemen mit langsamer Internet-Anbindung auf dem Lande sorgen nun diakritische Zeichen dafür, dass es bei der Ausgabe produzierter Ausweise Probleme gibt. Laut dem Zeitungsbericht sind offenbar die Berliner Bezirksämter von diesem Fehler betroffen, in denen Thin Clients und TerminalServer eingesetzt und vom IT-Dienstleistungszentrum betreut werden. Die Fehlersuche dauert zurzeit an. [Update: Das IT-Dienstleistungszentrum legt aber bereits jetzt wert auf die Feststellung, dass es sich bei den Systemen, die Probleme in verschiedenen Berliner Bezirksämtern machten, nicht um vom ITDZ betreute Rechner handle.]

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Auch bei der neuen AusweisApp läuft noch nicht alles, was laufen soll. So funktioniert die AusweisApp zwar unter Windows, doch selbst der Funktionstest eines Ausweises ist noch nicht möglich. Korrespondierend ist das aktuelle Angebot an Nutzungsmöglichkeiten beim nPA eine ziemliche Enttäuschung. Nach Angaben von Jens Fromm vom Fraunhofer Fokus, das die Einführung des Ausweises betreut, ist das Angebot der SCHUFA derzeit das einzige Projekt mit funktionierender nPA-Integration. Tests der Redaktion wurden jedoch auch hier mit Fehlern quittiert.

Wie im Personalausweis-Blog berichtet gibt es unter Blinden Unmut darüber, dass die neue AusweisApp die Zusammenarbeit mit Screenreadern verweigert. Was in der ursprünglichen Version der Software barrierefrei funktionierte, wurde vorerst gestoppt, weil die Techniker beim Code Review eine Sicherheitslücke in der "Java Access Bridge" fanden, die zur Ansteuerung der Screenreader benötigt wird. Diese Sicherheitslücke soll mittlerweile geschlossen worden sein. In der nächsten Version der AusweisApp wird die Unterstützung von Screenreadern wieder aktiviert sein, erklärte Peer Dietrich vom "Arbeitskreis Barrierefreiheit Personalausweis".

(Detlef Borchers) / (anw)

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